Hurrican Katrina Kasinos hoffen auf den Boom

Der verheerende Wirbelsturm Katrina hat im US-Staat Mississippi einen ganzen Industriezweig zerschlagen, der für die Region von zentraler Bedeutung ist – sämtliche Kasinoschiffe gingen auf Grund. Jetzt sucht die Regierung nach Möglichkeiten, die Spielhöllen zu retten.


Beschädigtes Kasino-Schiff: Bruch mit alten Traditionen
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Beschädigtes Kasino-Schiff: Bruch mit alten Traditionen

Jackson - Als sicher gilt einem Bericht der "New York Times" zufolge, dass die Kasinos künftig nicht mehr auf dem Wasser angesiedelt werden sollen. Das jedoch wäre ein Bruch mit den traditionellen Gepflogenheiten: Schiffe waren bislang der einzige Ort, an dem Roulette, Poker und ähnliches offiziell geduldet wurde. Auf diese Weise sollte sichergestellt werden, dass die Sündenpfuhle den Gemeinden an der Küste und an den Ufern des Mississippi nicht zu nahe kamen.

Angesichts der üppigen Steuerzahlungen, die die Glücksspielunternehmen an den Staat bezahlen, besinnt man sich nun eines besseren. Statt der Wiederherstellung der alten Spielboote wolle Gouverneur Haley Barbour nun die Küste mit großen Spielkasinos bebauen, vollgestopft mit modernstem Spielgerät und allem, was dazu gehört, schreibt die Zeitung.

Geplant seien außerdem Überbrückungskredite von bis zu 25 Millionen Dollar für kleinere Betriebe. Kurzfristig stünden auch bis zu 500 Millionen Dollar bereit, um die Wartezeit für staatliche Hilfe zu überbrücken.

Allerdings habe Barbour mit großen Widerständen zu kämpfen. Denn nach wie vor sei die Fraktion der Religiösen Rechten sehr einflussreich. Deren Führer sähen nun die Gelegenheit, den von ihnen seit jeher befehdeten Spielhöllen endgültig den Garaus zu machen. Es sei unerträglich, dass der "Spielkasino-politische-Komplex" ausgerechnet jetzt, wo die Not am größten sei, zu einem Expansionsfeldzug starte, sagte der Sprecher der Baptisten Vereinigung, William Perkins, der Zeitung.

Mississippi gehört zu den US-Staaten, die die niedrigsten Steuersätze für Spielkasinos ansetzen. Acht Prozent der Gewinne gehen an den Staat, vier Prozent an die örtliche Gemeinde. Trotzdem rechnen die Finanzämter für das nächste Jahr mit Einnahmen von 189 Millionen Dollar allein aus dem Kasinogeschäft.



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