Hurrikan-Folgen "Katrina" lässt Energiepreise explodieren

Der Wirbelsturm "Katrina" hat die Kurse an den internationalen Öl- und Gasmärkten weiter klettern lassen. In Deutschland erreichten die Preise für Diesel- und Superbenzin derweil neue Rekordstände.


US-Tankstelle: Angst vor Engpässen
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US-Tankstelle: Angst vor Engpässen

New York/Hamburg - Die amerikanischen Öl-, Erdgas-, Benzin- und Heizölpreise legten am Dienstag erneut kräftig zu. Rohöl des Typs Light Sweet Crude zur Auslieferung im Oktober stieg im elektronischen Handel am New Yorker Warenterminmarkt Nymex um mehr als drei Dollar auf ein neues Rekordhoch bei 70,85 Dollar je Barrel. Der Großhandelspreis für US-Benzin kletterte sogar um über zehn Prozent auf 2,27 Dollar je Gallone.

Der Preis für Rohöl der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) stieg erstmals über die 60-Dollar-Marke. Nach Berechnungen des Opec-Sekretariats in Wien kostete ein Barrel (159 Liter) am Montag im Durchschnitt 60,33 Dollar im Vergleich zu 59,76 Dollar am vergangenen Freitag. "Der aktuelle Ölpreis ist durch fundamentale Daten nicht gerechtfertigt", sagte Generalsekretär Adnan Shibab-Eldin am Dienstag am Rande einer Energiekonferenz in Oslo.

Auch in Deutschland neue Rekorde

In Deutschland erreichten die Benzinpreise derweil neue Rekordstände. So kostet Superbenzin im bundesweiten Durchschnitt an Markentankstellen erstmals mehr als 1,32 Euro je Liter, teilten Sprecher der Mineralölwirtschaft am Dienstag in Hamburg mit. Für einen Liter Diesel müssen die Autofahrer gut 1,14 Euro bezahlen.

Im Hurrikan-Gebiet fielen durch den Sturm und die Evakuierung der Produktionsanlagen nach Darstellung des amerikanischen staatlichen Minerals Service 92 Prozent der Ölproduktion und 83 Prozent der Erdgasproduktion aus. In der Region gibt es Tausende von Bohrinseln und mehr als 50 000 Kilometer Pipelines. 2004 hatte Hurrikan "Ivan" vor allem schwere Schäden an den Pipelines verursacht. Die Reparaturen dauerten teilweise Monate. Innerhalb eines Monats nach "Ivan" waren die Ölpreise um 22 Prozent gestiegen.

Raffinierien könnte lange still stehen

Die Schadensbeurteilung nach "Katrina" wird nach Darstellung der Apache Corporation, einem der größten Ölproduzenten im Golf von Mexiko, längere Zeit dauern. Das Unternehmen werde sich erst allmählich zu den am schlimmsten betroffenen Gebieten vorarbeiten, erklärte ein Firmenvertreter im US-Fernsehen. Apache hatte 336 seiner Bohranlagen im Golf von Mexiko in Vorbereitung auf "Katrina" stillgelegt. Einige der schwimmenden Bohrinseln anderer Ölgesellschaften waren von dem Hurrikan abgetrieben worden.

Die versicherten Gesamtschäden durch "Katrina" könnten 12 bis 26 Milliarden Dollar (21 Milliarden Euro) erreichen, schätzt die auf die Risiko-Analyse von Katastrophen und Wetter spezialisierte US-Firma AIR Worldwide Corporation. Der weltgrößte Rückversicherer Münchener Rück geht von einem versicherten Marktschaden von 15 bis 20 Milliarden Dollar aus.

Die weitere Entwicklung der Energiepreise hängt auch davon ab, wie schnell die Raffinerien im Hurrikan-Gebiet nach möglichen Sturm- und Wasserschäden wieder ihren Betrieb aufnehmen und voll produzieren können. Das amerikanische Energieministerium erwägt, einen Teil der 700 Millionen Barrel umfassenden strategischen Ölreserven an die Raffinerien zu verleihen, erklärte US-Energieminister Samuel W. Bodman. Sollten es die Umstände erfordern, könne der Präsident auch einen Ölverkauf aus der Reserve anordnen.



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