Hurrikan Ölkonzerne räumen ihre Bohr-Plattformen

Weil der Hurrikan "Katrina" in der Region wütet, haben Ölkonzerne ihre Förderplattformen im Golf von Mexiko geräumt. Das könnte die Preise für Rohöl und Benzin weiter nach oben treiben - zumal es Wochen dauern wird, bis die Produktion wieder normal läuft.

Miami - Mehr als 40 Prozent der US-Rohölproduktion im Golf von Mexiko liegt aufgrund des Hurrikans bereits brach. Mit weiteren Schließungen von Ölplattformen und Raffinerien wurde gerechnet.

Betroffen sind bisher die Gesellschaften Total  , Royal Dutch Shell  , ChevronTexaco  , Exxon Mobil  , ConocoPhillips und Murphy Oil. Der Golf ist eine für die Ölbranche wichtige Region. Hier ist rund ein Fünftel der US-Erdgasförderung und mehr als ein Viertel der Ölförderung angesiedelt. Der Louisiana Offshore Oil Port, ein wichtiger Umschlagsplatz für US-Ölimporte, hatte die Förderung bereits am Samstag eingestellt.

Die Förderstopps auf den Plattformen könnten zu weiteren Engpässen auch bei den Raffinerien führen. Bisher wurden Raffineriekapazitäten von schätzungsweise einer Million Barrel stillgelegt. "Das sind schlechte Nachrichten für die Verbraucher", sagte der Ölanalyst Peter Beutel von der Beratungsfirma Cameron Hanover - auch die Benzinpreise würden nun wieder anziehen.

Gibt Bush Öl frei?

Insgesamt sei im Golf die Förderung von mehr als 600.000 Barrel eingestellt worden, sagte Beutel. Shell schätzt, dass pro Tag die Förderung von 420.000 Barrel Öl ausfallen wird. Bei Exxon Mobil veranschlagt man die Ausfälle dagegen nur auf täglich 3000 Barrel Öl.

Nach den Evakuierungen wird es längere Zeit dauern, bis die Plattformen wieder besetzt sind und die Produktion mit Volllast läuft. "Wir können mit einem zweimonatigen Produktionsausfall rechnen, und das auch noch auf dem Höhepunkt der Nachfrage", erklärt David Thurtell, Ölstratege bei der Commonwealth Bank of Australia. "Die einzige Möglichkeit, noch höhere Preise zu vermeiden, ist die Freigabe der Strategischen Ölreserven der USA durch den Präsidenten", fügte Thurtell hinzu.

Die Regierung von US-Präsident George W. Bush hat in der Vergangenheit die Freigabe von Öl aus der strategischen Reserve von schweren Versorgungsengpässen abhängig gemacht, aber nie Einzelheiten dazu genannt. Die strategische Ölreserve der USA beläuft sich auf 700 Millionen Barrel. Nach dem Hurrikan "Ivan" im vergangenen Jahr hatte das Energieministerium einige Millionen Barrel Öl ausgeliehen.

Preis rutscht wieder unter 70 Dollar

Seit dem Frühjahr 2003 hat sich der Ölpreis fast verdreifacht. Allein in diesem Jahr verteuerte sich der Barrel US-Leichtöl um 60 Prozent. Die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec), die etwa die Hälfte der Öl-Exporte weltweit kontrolliert, hat kaum Spielraum für die Erhöhung der Fördermengen, denn die Förderung der Opec-Mitglieder, darunter Saudi-Arabien, liegt schon am oberen Rand der Kapazitäten.

An den Ölterminmärkten stieg der Preis für einen Barrel (159 Liter) US-Leichtöl zeitweise um mehr als sieben Prozent auf 70,80 Dollar. Im Tagesverlauf gab auch der Ölpreis auf rund 69 Dollar nach.

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