HWWI-Prognose Konjunkturflaute - aber keine Krise

Die Turbulenzen an den Märkten belasten die deutsche Konjunktur: Die neue Prognose des HWWI sagt für Deutschland deshalb eine Konjunkturflaute voraus - jedoch keine Wachstumskrise. Schon 2009 werde sich der Aufschwung fortsetzen - wenn sich die Lage stabilisiere.


Hamburg - Trübe Aussichten für 2008: Die Finanzkrise, der steigende Ölpreis und der starke Euro wirken sich zunehmend auch auf die deutsche Konjunktur aus. Das geht aus der neuen Prognose des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI) hervor. Das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) werde im Jahresdurchschnitt 2008 nur um 1,3 Prozent wachsen.

Container-Hafen in Hamburg: HWWI-Experten sehen 1,3 Prozent Wirtschaftswachstum
DPA

Container-Hafen in Hamburg: HWWI-Experten sehen 1,3 Prozent Wirtschaftswachstum

Dem Wirtschaftsinstitut zufolge kann von einer Wachstumskrise jedoch keine Rede sein. Sollten sich die Rahmenbedingungen stabilisieren, werde die Flaute 2009 überwunden. Wegen der geringen Dynamik 2008 und einer geringeren Zahl von Arbeitstagen werde das BIP zunächst jedoch auch nur 1,3 Prozent wachsen.

Günstiger sehen die Entwicklungen nach Einschätzung der HWWI-Experten dagegen auf dem Arbeitsmarkt aus: Der Prognose zufolge wird die Arbeitslosenquote 2008 auf 7,5 Prozent sinken. Allerdings werde die Dynamik infolge der konjunkturellen Entwicklung nachlassen.

Dass die Auswirkung der amerikanischen Immobilien- und Finanzkrise auch dem Rest der Welt zu schaffen machen wird, zeigt eine Studie des Basler Beraters Prognos, die das HWWI gemeinsam mit seiner Wachstumsprognose vorstellte. Der "Industrial Countries 2006-2020"-Report weist die Wachstumsperspektiven der Weltregionen aus und prognostiziert der Weltwirtschaft bis 2020 ein jährliches Wachstum von drei Prozent.

Der Studie zufolge verlagern sich in Deutschland die Wachstumskräfte zur Binnennachfrage. Zwischen 2006 und 2020 lege das BIP um 1,4 Prozent pro Jahr zu. Das reale Pro-Kopf-Einkommen steige um 25 Prozent. Die Arbeitslosigkeit gehe weiter zurück, doch der Arbeitskräftemangel entwickle sich zur Wachstumsbremse.

In den USA werden laut Prognos die Geld- und Finanzpolitik die Situation entschärfen. In Europa werde sich die Binnennachfrage stabilisieren und die Schwellenländer wiesen weiterhin ein robustes Wachstum auf. Globale Wachstumszentren 2020 seien China und Indien. Beide Länder tragen Prognos zufolge langfristig zunehmend mehr zum globalen Wachstum bei. 2020 werde das BIP Chinas halb so groß sein wie das der EU-25-Staaten - allerdings bei etwa dreimal mehr Einwohnern.

sil



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