Hyperinflation Dollar-Milliarden aus Simbabwe gewinnen neue Fans

Kaum ist das Geld gedruckt, ist es nichts mehr wert: Inzwischen gibt es in Simbabwe einen 100-Milliarden-Dollar-Schein, die Inflation nimmt groteske Züge an. Doch im Ausland sind die Scheine mit den vielen Nullen beliebt - bei Ebay zahlen Interessenten dafür ein Vielfaches des Wertes.


Hamburg - Als kürzlich Geschäftsleute aus Simbabwe nach Berlin reisten, um über die schwierige Lage in ihrem Land zu berichten, hatten sie Geldscheine aus ihrer Heimat dabei. Einer zeigte den Journalisten einen Fünf-Milliarden-Dollar-Schein - Simbabwe-Dollar. Auf dem lilafarbenen Stück Papier war eine Fünf mit neun Nullen gedruckt, in Euro umgerechnet war der Schein aber nur ein paar Cent wert.

Einkaufen in Simbabwe: Fürs Portemonnaie ungeeignet
AP

Einkaufen in Simbabwe: Fürs Portemonnaie ungeeignet

Die Inflation in dem südafrikanischen Land ist gigantisch. Vor einer Woche wurde nun ein 100-Milliarden-Dollar-Schein eingeführt. Zu diesem Zeitpunkt konnte man sich dafür gerade noch einen Laib Brot kaufen. Bei einer Inflationsrate von derzeit offiziell 2,2 Millionen Prozent reicht die Summe heute nicht einmal mehr für eine Scheibe Brot. Die Geschäftsleute aus Simbabwe erklärten, die hohe Inflation sei ihre Hoffnung - sie werde das Land früher oder später vom Machthaber Robert Mugabe befreien.

Unabhängige Experten sprechen inzwischen sogar von einer Inflationsrate in Höhe von 12,5 Millionen Prozent. Notenbankchef Gideon Gono hat den Nullen auf den Geldscheinen den Kampf angesagt - er will sie einfach streichen lassen, berichten staatliche Medien in Simbabwe. Das hat allenfalls symbolischen Charakter, die Inflation bekämpft das nicht.

Doch der 54-jährige Gono setzt ohnehin nicht mehr auf herkömmliche Instrumente der Geldpolitik, er vertraut, wie das "Handelsblatt" berichtet, inzwischen nur noch auf Gott und auf die Bibel. "Hatte Gono zu Beginn seiner Amtszeit noch versucht, das Geldvolumen mit Hilfe von Zinserhöhungen und einer Reform des Devisensystems zu zügeln, ist sein Vokabular heute so blumig wie das eines Laienpredigers", schreibt die Zeitung. Den letzten Zentralbankbericht habe er "in Gottes Hände" befohlen.

Viele Euros für noch mehr Simbabwe-Dollar

Doch der Simbabwe-Dollar gewinnt durchaus neue Freunde - und legt im Internet an Wert zu: Journalisten boten den simbabwischen Geschäftsleuten in Berlin ein paar Euro für den Fünf-Milliarden-Dollar-Schein. Bei Ebay zahlen Interessenten für die 100-Milliarden-Dollar-Note sogar mehr als 45 Euro. Umgekehrt müsste man in Simbabwe für 45 Euro etliche Kilogramm Banknoten auf den Tisch legen. Fünf-, Zehn-, 1000- und Eine-Million-Dollar-Scheine gibt es für wenige Euro, aber immer noch für ein Vielfaches dessen, was man in Simbabwe dafür bekäme.

Immobilienpreise werden in Simbabwe mittlerweile in Billiarden angegeben, Geldautomaten funktionieren wegen der irrwitzigen Summen nicht mehr, ihre Software ist nicht dafür ausgelegt. Überweisungen in Billionenhöhe brauchen mehrere Tage, da die elektronischen Buchungssysteme Probleme haben, Transaktionen mit zwölf Ziffern oder mehr zu verarbeiten. Geschäftsleute lassen heute schon die letzten sechs Nullen bei der Auszeichnung ihrer Ware weg - die Registrierkassen können so lange Zahlenkolonnen ohnehin nicht anzeigen.

Während die Regierung die von der internationalen Gemeinschaft nach der Präsidentschaftswahl verhängten Sanktionen für das Wirtschaftschaos verantwortlich macht, sehen Kritiker die Misswirtschaft von Staatschef Mugabe als Ursache. Die landwirtschaftliche Produktion ist seit der Vertreibung weißer Bauern in den vergangenen Jahren drastisch zurückgegangen.

Simbabwe hat Banknoten mit 27 verschiedenen Nennwerten und inzwischen keine Münzen mehr. Alle Scheine unter einem Nennwert von zehn Millionen Dollar sind nichts mehr wert, selbst Toilettenpapier und Zeitungsaltpapier sind wertvoller. Die Scheine taugen also nur noch zum Feuermachen - oder zum Verkaufen bei eBay.

kaz/AP

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