Hypothekenkrise Deutsche Bank bangt um knapp 30 Milliarden Euro

Die Deutsche Bank ist durch die Hypothekenkrise stärker belastet, als bislang angenommen: Vorstandssprecher Josef Ackermann hat jetzt Fehler seines Hauses eingeräumt. Kreditzusagen in Milliardenhöhe müssen neu bewertet werden.


Berlin - "Auch die Deutsche Bank hat Fehler gemacht, auch in dieser Krise", sagte Ackermann gestern Abend bei der Aufzeichnung der ZDF-Sendung "Maybrit Illner". So sei Deutschlands größte Bank in der allgemeinen Markteuphorie zu Beginn des Jahres übertriebene Kreditengagements eingegangen, die derzeit nicht mehr weiterverkauft werden könnten und daher neu bewertet würden. "Und das belastet unsere Erfolgsrechnung im dritten Quartal", betonte Ackermann.

Deutsche-Bank-Chef Ackermann: Opfer der allgemeinen Markteuphorie
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Deutsche-Bank-Chef Ackermann: Opfer der allgemeinen Markteuphorie

Der Deutsche-Bank-Chef nannte zwar keine konkreten Zahlen zur Höhe der Negativfaktoren. Insgesamt gehe es um Kredite im Umfang von 29 Milliarden Euro, erklärte Ackermann. "Wir korrigieren jetzt die Werte all dieser Kreditversprechungen über die nächsten neun Monate."

Wie viel die Deutsche Bank an der Krise der deutschen Mittelstandsbank IKB verdient habe, wisse er nicht. "Klar ist, dass wir der IKB wie allen anderen Produkte verkauft haben. Das ist ja unser Geschäft." Diese Produkte seien auch sehr gut gewesen. "Da hat man sehr viel Geld verdient über lange Zeit."

Ackermann räumte zugleich ein, dass sein Haus dabei nicht mit Nachdruck auf die Risiken hinwies. Bei Privatkunden sei es "Teil der Beratung", vor finanziellen Schwierigkeiten zu warnen. Bei Banken als Kunden sei dies schwierig, weil diese eigene Aufsichtsorgane und ein eigenes Management hätten. "Zu sagen, um Himmels Willen, Sie gehen da ein bisschen zu weit - ich glaube, wir würden damit nicht gerade viele Freunde gewinnen."

Markt für Kreditrisiken zusammengebrochen

Weltweit finden Banken derzeit an den Finanzmärkten kaum mehr Käufer für Kreditrisiken, da die Anleger im Zuge der Krise am US-Hypothekenmarkt sehr zurückhaltend geworden sind. Zahlreiche fremdfinanzierte Übernahme-Deals von Beteiligungsfirmen liegen deshalb auf Eis. Insgesamt werden Käufer für Kredite in Höhe von mehr als 220 Milliarden Euro gesucht. Die Deutsche Bank ist unter anderem an der Finanzierung der mehr als 16 Milliarden Euro schweren Übernahme der britischen Apothekenkette Alliance Boots durch den US-Finanzinvestor KKR beteiligt. Dieser größte schuldenfinanzierte Zukauf in Europa kommt wegen der Zurückhaltung der Investoren nur schleppend voran.

Auch an anderer Stelle wirkt sich die Krise an den Finanzmärkten bei der Deutschen Bank aus: Ackermann signalisierte, Pläne für eine Aufstockung der Mitarbeiterzahl auf 80.000 von derzeit 76.000 in diesem Jahr fallen zu lassen. "Das werden wir wahrscheinlich jetzt nicht tun, weil die Märkte das so nicht hergeben", sagte der 59-Jährige.

Der Bankchef äußerte sich insgesamt aber optimistisch, dass nach der SachsenLB und der Mittelstandsbank IKB keine weiteren Krisenfälle auftreten sollten. Alle größeren Risiken seien mittlerweile transparent gemacht worden. "Ich gehe davon aus, dass hier keine größeren Zeitbomben ticken", betonte Ackermann. Er zeigte sich auch zuversichtlich, dass die Investoren bald wieder an die Kreditmärkte zurückkehren. "Dann kann sich sehr schnell die Lage etwas beruhigen", sagte er. Die SachsenLB und die IKB sind die prominentesten deutschen Opfer der US-Hypothekenkrise. Sie mussten beide kurzfristig finanziell massiv gestützt werden.

mik/ddp/Reuters



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