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27. März 2003, 11:16 Uhr

HypoVereinsbank

Börsengang als Befreiungsschlag

Die zweitgrößte deutsche Bank will Teile ihrer österreichischen Tochter Bank Austria an die Wiener Börse bringen. Damit die HVB wieder schwarze Zahlen schreibt, müssen weitere Mitarbeiter gehen. Die Börse feiert die Entscheidung.

München - Der Minderheitsanteil der Tochter Bank Austria solle "so rasch wie möglich" über einen Börsengang veräußert werden, sagte Konzernchef Dieter Rampl während der Bilanz-Pressekonferenz am Donnerstag. Der Verkauf von 25 Prozent der Bank Austria wird der HypoVereinsbank (HVB) nach ihrem Rekordverlust im vergangenen Jahr frisches Geld in die Kasse spülen.

Rampl macht gut Wetter: Mit einem Börsengang in Wien will der HVB-Chef die dunklen Wolken vertreiben.
DDP

Rampl macht gut Wetter: Mit einem Börsengang in Wien will der HVB-Chef die dunklen Wolken vertreiben.

Die zweitgrößte deutsche Bank stärkt damit ihr Eigenkapital und könnte gleichzeitig eine am Finanzmarkt ungeliebte Kapitalerhöhung vermeiden. Die Kernkapitalquote des Unternehmens soll bis Jahresende von zuletzt 5,6 Prozent auf sieben Prozent steigen. Gerüchte, die HVB werde auf Grund einer dünnen Kapitaldecke eine milliardenschwere Anleihe platzieren, hatten den Kurs der Aktie vor einigen Wochen einbrechen lassen.

Die geplante Platzierung der 2001 übernommenen Bank Austria an der Wiener Börse verschafft der HVB wieder mehr Spielraum. "Wir erhöhen mit den Erlösen das Kapital der HVB Group auf eine effiziente Weise, denn wir vermeiden damit massive Verwässerungseffekte für die HVB-Aktionäre", sagte Rampl.

Die Anleger nahmen die Nachrichten mit Erleichterung auf. die Aktie der HypoVereinsbank gehörte am Donnerstag in einem schwachen Gesamtmarkt zu den wenigen Gewinnern im Dax. Auch von Analysten gab es Lob: "Die Entscheidung ist unternehmerisch klug. Ich gehe davon aus, dass mit dem IPO rund 1,25 Milliarden Euro neues Kapital in den HVB-Konzern kommt", sagte Georg Kanders von WestLB Panmure.

Weitere Stellenstreichungen geplant

Der Münchner Bankenkonzern hatte das vergangene Jahr erstmals mit einem Verlust abgeschlossen. Das Minus von 858 Millionen Euro übertraf dabei die schlimmsten Befürchtungen der Anleger. Zum Teilverkauf der Bank Austria sollen weitere Stellenstreichungen sowie eine Senkung der Risikovorsorge für faule Kredite hinzukommen, um wieder in die Gewinnzone zurückkehren. In diesem Jahr sollen weitere 2000 Stellen – hauptsächlich in Deutschland – gestrichen werden. Betriebsbedingte Kündigungen seien nicht ausgeschlossen. Die Risikovorsorge soll von 3,8 Milliarden Euro im Vorjahr auf rund 2,6 Milliarden Euro sinken.

Rückkehr in die schwarzen Zahlen

"Für das Vorsteuerergebnis erwarten wir für dieses Jahr eine positive Range von 300 bis 600 Millionen Euro im Kerngeschäft", sagte Rampl. Dieser Ausblick gelte für die Bank nach der geplanten Abspaltung der gewerblichen Immobilienaktivitäten und enthalte die Gewinne aus dem Teilverkauf der Bank Austria. In den ersten zwei Monaten 2003 liege die HVB operativ im Plan, hieß es.

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