Hypovereinsbank-Übernahme Squeeze-Out beschlossen, Anleger über Abfindung erzürnt

Es war die letzte Hauptversammlung für Kleinaktionäre der HypoVereinsbank: Die italienische UniCredit-Bank übernimmt die HVB komplett und zahlt die Minderheitsaktionäre aus - das ist seit dem Abend beschlossene Sache. Die Anleger wollen sich damit jedoch nicht abspeisen lassen.


München - Nach zwei Stunden Marathonsitzung kam die Entscheidung am Abend nicht überraschend. Am späten Abend stimmten 98,8 Prozent dem Antrag des Großaktionärs. Die letzten freien HVB-Aktionäre erhalten eine Zwangsabfindung von 38,26 Euro pro Anteilsschein.

Aktionärsschützer kritisieren den Preis als viel zu niedrig. In der Sitzung entluden sich wütende Proteste von Anlegern: "Richten Sie sich darauf ein, dass wir demnächst ein paar Strafanzeigen vom Stapel lassen werden", rief ein verärgerter Aktionär. "Der Vorstand der HVB wird dafür bezahlt, dass er uns bescheißen will." Zudem sprach er vom "Tatverdacht der Untreue".

Stein des Anstoßes ist der Verkauf der HVB-Tochter Bank Austria an den künftigen Eigner. UniCredit habe die Bank viel zu billig übernommen und damit die freien Aktionäre benachteiligt, hieß es. Vor allem das lukrative Osteuropa-Geschäft sei Bank Austria niedrig bewertet worden. Zu diesem Beschluss sind noch einige Klagen vor dem Münchener Landgericht offen. Auch für den Squeeze-Out muss die HVB mit Klagen rechnen. Ein Anwalt, der von den Aktionären bestellt wurde, soll nun etwaige Schadenersatzansprüche der Kleinanleger aus dem Verkauf der Bank Austria prüfen.

Kleinaktionäre, Hedgefonds und andere Investoren hielten bisher noch 4,55 Prozent an der bayerischen Traditionsbank. Die anderen 95 Prozent hatte der Mailänder Bankenriese bereits vor zwei Jahren für 15 Milliarden Euro übernommen. Die HVB beschränkt sich seither auf Investmentbanking sowie das Deutschlandgeschäft und macht wieder steigende Gewinne. UniCredit will die HVB von der Börse nehmen.

reh/dpa/AP



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