Proteste gegen IAA Tausende Demonstranten fordern klimaneutralen Verkehr bis 2035

Vorrang für Fußgänger und Radfahrer, Verzicht aufs Kfz: In Frankfurt haben die ersten Proteste gegen die Internationale Automobilmesse begonnen.

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Am ersten Publikumstag der Internationalen Automobilmesse (IAA) in Frankfurt am Main haben Tausende Demonstranten zu einer klimafreundlichen Verkehrswende aufgefordert. Bei einer Kundgebung im Stadtzentrum unter dem Motto "Aussteigen" forderten sie unter anderem einen sofortigen Verzicht auf Verbrennungsmotoren und die Umstellung auf einen völlig klimaneutralen Verkehr bis zum Jahr 2035.

Die Demonstranten stellten eine mit den Logos von Autokonzernen beklebte Großpuppe auf, aus deren Schritt phallusartig ein Auspuff hervorragte. Dieser wurde von einem Demonstranten abgesägt - die Säge trug die Aufschrift "Autokonzerne entmachten!" Die Teilnehmer der Kundgebung forderten einen massiven Ausbau von Bus und Bahn sowie Vorrang für Fußgänger und Radfahrer in der Verkehrsplanung.

Demonstrant sägt symbolisch einer Figur eines Automanagers den Auspuff ab
Marius Becker / DPA

Demonstrant sägt symbolisch einer Figur eines Automanagers den Auspuff ab

Die Polizei berichtete am Mittag, die Stimmung sei friedlich gewesen. Genauere Angaben zu Teilnehmerzahlen konnte sie zunächst nicht machen. Laut Schätzungen des globalisierungskritischen Netzwerks Attac, das die Proteste mitorganisiert hat, beteiligten sich rund 5000 Menschen an der Kundgebung in der Innenstadt.

Am frühen Nachmittag wollen sich die Demonstranten einem Sprecher zufolge in Richtung des IAA-Messegeländes in Bewegung setzen. Dort wollen sie sich mit Teilnehmern einer Fahrrad-Sternfahrt zusammenschließen, die unter anderem aus Mannheim, Aschaffenburg, Wiesbaden und Gießen angeradelt kommen. Die Polizei rechnet mit insgesamt rund 20.000 Teilnehmern.

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Proteste gegen IAA: "Ich merkel nix vom Klimawandel"

Klimaschutz- und Umweltgruppen haben sich zum Bündnis "#aussteigen" zusammengeschlossen. Sie werfen der Autoindustrie vor, den Wandel zu emissionsfreier Elektromobilität nicht entschlossen genug voranzutreiben und unter anderem weiter auf klimaschädliche Stadtgeländewagen (SUV) zu setzen.

Geplant ist eine Demo für Fußgänger sowie eine großangelegte Fahrradsternfahrt mit 13 Routen und weit mehr als 500 Kilometern. Auch zwei Autobahnabschnitte werden dafür vorübergehend gesperrt.

Bereits am Donnerstag hatte es am Rande des traditionellen Rundgangs von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auf der IAA Proteste gegeben. Am Freitag hatten Teilnehmer der Klimaschutzbewegung "Fridays for Future" in Frankfurt gegen die Autoshow protestiert.

Am Sonntag wollen Mitglieder der Organisation "Sand im Getriebe" mit friedlichen Blockaden den Ablauf der Messe stören. Die Organisation Attac hält zudem zwei Mahnwachen ab. Für mehr Lebensqualität in den Städten müsse das Auto zurückgedrängt werden, fordern die Organisatoren. Die Polizei erwartet mehrere Hundert Teilnehmer.

Die IAA öffnet ihre Tore am Samstag für das breite Publikum. Sie endet kommende Woche Sonntag.

fok/AFP/dpa



insgesamt 130 Beiträge
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Seite 1
dirkcoe 14.09.2019
1. Ich finde es richtig und notwendig
wenn Bürger klar machen - den Filz von Politik und Autobauern lehnen sie ab. Weder Verkehrskasper Scheuer, noch ein Herr Diess sind der Souverän in diesem Land.
Glüxxkeks 14.09.2019
2. Ja zum Rad
Die IAA hat in diesem Jahr deutlich weniger Aussteller, die Automobilbranche steckt in der Krise. Ja, die Verkehrswende muss kommen, günstigere E-Autos, CO2 Steuer. Aber bitte gleichzeitig Ausbau des ÖPNV, was Taktung und Kapazitäten von Bussen und Bahnen betrifft. Das 365-Euro-Ticket. Und Radwege, auf denen man sich nicht in Lebensgefahr begibt.
chipau 14.09.2019
3.
Schön, ich bin gerührt. Ich schlage vor wir schalten Deutschland nächste Woche komplett ab. Zero Co2 Ausstoss sofort. Und das bringt für das Weltklima - nichts. Aber ich erinnere mich, demonstrieren macht Spass.
supple 14.09.2019
4.
klar kann man gerne fordern, aber es ist zum Teil einfach nicht realistisch. Ich brauche mit meinem Auto ca 30min zur Arbeit. Mit den Öffentlichen über 2h (einmalige Strecke versteht sich, unter der Voraussetzung sas der Zug dann fährt wenn ich da bin, dann kann man noch mal eine halbe Stunde darauf rechnen). Es ist für mich faktisch quasi unmöglich anders zu meiner Arbeit zu kommen. Wenn man klimaneutralen Verkehr möchte muss man verstärkt die öffentlichen ausbauen. Und den Automobilbauern den Untergang zu wünschen wie es manch einer gerne macht ist auch einfach nur dähmlich, wenn man sich überlegt wie viel unserer gesamten Industrie auf den kfz bau getrimmt ist.
nach-mir-die-springflut 14.09.2019
5. Ein Kobold im Elektroauto kommt selten allein
Wenn man jetzt eine CO2-neutrale Fortbewegung fordert, dann wäre es zu verstehen, aber eine Klimaneutralität gibt es nicht. 2038 ist in 19 Jahren. Auf der Welt gibt es ~760 Mio. Verbrennerfahrzeuge, auf jeden zehnten Menschen kommt ein Auto im Schnitt. Es müssten pro Jahr 40. Mio. Verbrennerautos durch Batterieautos ersetzt werden, die mit Ökostrom fahren, oder es müssten Öko-Kraftstoffe hergestellt werden, die pro Jahr 40 Mio. Fahrzeuge mehr CO2-neutral fahren ließen. Beides ist nicht möglich, weder sind die Produktionskapazitäten da, noch ist die Infrastruktur da, noch das Geld. Auf das Klima hätte die Maßnahme einen nicht nachweisbaren Einfluss. Messbar wäre die Maßnahme nicht in dieser Lebenszeit. Es scheint eine Klientel herangewachsen zu sein, die sich vom konservativen Denken verabschiedet hat und die unbedingt als Gutmensch dastehen will ("Die Gutis & die Buntis"). Diese Klientel tut sich darin hervor, dass sie vor allem erst einmal fordert und das viel. Wer die Forderungen umsetzen soll, ist nicht klar und der Klientel egal. Sie ist dafür da, zu fordern, umsetzen muss es der Konservative, zu dem die Klientel ja aufgrund ihrer Abneigung nicht gehört. Wenn der Konservative sich nur weigert die utopistischen Forderungen der Gutmenschklientel umzusetzen, bleibt die Klientel, was sie immer war, Verbalakropbaten. Luftschlösser bauen. Bald tauchen die ersten Schilder auf "Für Gutis & Buntis verboten".
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