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AKTIEN »Ich habe die Hälfte verkauft«

aus DER SPIEGEL 43/1997

Interview mit Altbörsianer André Kostolany, 91, über seine Strategie

SPIEGEL: Gerade haben sich die Finanzmärkte an den Jahrestag des letzten Crashs 1987 erinnert. Droht wieder Gefahr?

Kostolany: Es ist reiner Aberglaube, einen Crash am gleichen Tag oder im gleichen Monat zu erwarten. Aber die Gefahr wächst. In Deutschland ist die Börse sehr nervös. Es sind viele zittrige Anleger im Markt, die in den vergangenen Monaten Aktien gekauft haben. Die haben vor zwei Jahren noch gar nicht gewußt, was eine Aktie ist. Ein solches Publikum, das weder Training noch Prinzipien hat, ist sehr gefährlich.

SPIEGEL: Sie erwarten heftige Rückschläge in Deutschland, nicht in den USA?

Kostolany: Die Bundesbank ist sehr streng und wird vielleicht weiter die Zinsen erhöhen. Zusammen mit der Nervosität der Anleger ergibt sich ein negatives Bild. Das ist in den USA anders. Die großen Pensionskassen und Vermögensverwalter, also die stabilen Aktionäre, sitzen auf einem Riesenberg von Liquidität. Da ist die technische Verfassung besser als in Deutschland.

SPIEGEL: Was kann einen Crash auslösen?

Kostolany: Die Märkte brauchen keinen Grund. Wenn in den vergangenen Tagen ein Unternehmen etwas Positives meldete, fielen die Aktienkurse dennoch. Das zeigt die Nervosität.

SPIEGEL: Wie können sich Anleger schützen?

Kostolany: Sie müssen ihre Aktien verkaufen. Wenn die Anleger bei der Hälfte ihrer Papiere Gewinne mitnehmen, können sie sich freuen, wenn die Börse nach unten geht. Sollten die Aktienkurse oben bleiben, sind sie an den Kursavancen weiter beteiligt.

SPIEGEL: Was haben Sie persönlich mit Ihrem Portefeuille gemacht?

Kostolany: Ich habe Anfang vergangener Woche die Hälfte meiner deutschen Aktien verkauft. Für US-Aktien bleibe ich dagegen auf lange Sicht äußerst optimistisch.

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