IEA-Bericht Globaler Ölbedarf sinkt schneller als erwartet

Die Internationale Energieagentur hat ihre Prognose für die globale Ölnachfrage erneut nach unten korrigiert. Zugleich hat die Organisation die Hoffnung begraben, dass sich die Weltwirtschaft bis Jahresende wieder erholen könnte.


Paris - Die Internationale Energieagentur (IEA) hat ihre Prognose für die weltweite Ölnachfrage wegen der Wirtschaftskrise erneut um eine Million Barrel (je 159 Liter) pro Tag gesenkt. Die Nachfrage werde im laufenden Jahr mit 83,4 Millionen Barrel pro Tag um 2,4 Millionen niedriger sein als 2008, schreibt die IEA in ihrem am Karfreitag veröffentlichten Ölmarktbericht. Grund sei, dass das globale wirtschaftliche Wachstum "viel geringer sei als erwartet".

Ölförderung: Globale Nachfrage sinkt
AP

Ölförderung: Globale Nachfrage sinkt

Zwar hat der Ölpreis Anfang April erstmals seit vier Monaten wieder die Marke von 50 Dollar pro Barrel überschritten. Die IEA erwartet aber wegen der Nachfrageschwäche keine nachhaltige Preissteigerung. Die Tagesproduktion sei im März um 400.000 auf 83,4 Millionen Barrel gesunken, die Ölvorräte gleichzeitig gewachsen: Im Februar hatten die westlichen Industriestaaten laut IEA 2,74 Milliarden Barrel Öl auf Lager - rund 7,2 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Insbesondere in Asien sei stark gebunkert worden.

Die IEA legte ihrem Bericht die "ungewöhnlich scharfe Rezession" in den Industriestaaten zugrunde - und hat auch ihre Erwartungen für Entwicklungs- und Schwellenländer revidiert. Die Organisation glaubt inzwischen nicht mehr, dass sich die Weltwirtschaft in der zweiten Hälfte dieses Jahres erholt, sondern dass sie um 1,4 Prozent schrumpft. "Zum vierten Mal seit vergangenen Oktober haben wir die ökonomischen Annahmen, die unserer Ölbedarfsvorhersage zugrunde liegen, zurückgefahren", teilte die IEA mit. Besonders dramatisch sei die Nachfrage in China eingebrochen.

Für die reichen OECD-Länder prognostiziert die IEA, dass der Ölbedarf um 760.000 auf 45,2 Millionen Barrel pro Tag sinkt. Das seien 4,9 Prozent weniger als 2008. In den Nicht-OECD-Ländern sei der Ölbedarf erstmals seit 15 Jahren gesunken - um 230.000 auf 38,3 Millionen Barrel, was einem Rückgang von 0,1 Prozent gegenüber 2008 entspreche.

Die Organisation der Erdöl exportierenden Staaten (Opec) habe ihre Produktion seit September 2008 um 3,36 Millionen Barrel pro Tag gedrosselt. Dies sei "beispiellos", so die IEA. Inzwischen fördere die Opec weniger als 28 Millionen Barrel pro Tag, was der niedrigste Stand seit dem letzten Irak-Krieg von 2003 sei.

Die Wirtschaft schrumpfe mit einer Geschwindigkeit, die inzwischen an die Verhältnisse der frühen achtziger Jahre heranreiche. Erst 2010, so die IEA, könne man hoffen, dass sich die Wirtschaft und damit auch die Ölnachfrage wieder erholten.

mbe/dpa/AP/AFP

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