Ifo-Geschäftsklima Konjunkturflaute ist bald zu Ende

Nach den neuesten Zahlen des Ifo-Instituts ist das Tal im Konjunkturzyklus nahezu durchschritten. Das Geschäftsklima verbesserte sich weiter, bis zur Jahresmitte wird Experten zufolge auch die reale Konjunktur anspringen.


AP

München - Der Ifo-Index ist im Februar unerwartet hoch ausgefallen. Er lag bei 88,7 und damit weit über den Erwartungen der Analysten, die im Schnitt mit 87,2 gerechnet hatten. Damit beurteilen die Unternehmen in Westdeutschland ihre derzeitige Geschäftslage weitaus positiver als im Januar, als der Index noch bei 86,3 lag, im Dezember 2001 wurde ein Stand bei 85,8 Punkten ermittelt.

Damit ist der Index nach einem Einbruch im Herbst zum vierten Mal in Folge gestiegen. Der Ifo-Geschäftsklimaindex gilt als wichtiges Stimmungsbarometer für die konjunkturelle Entwicklung in Deutschland.

Nach Einschätzung des Ifo-Instituts resultiert die Besserung des Geschäftsklimaindex in den alten Bundesländern allerdings ausschließlich aus einer günstigeren Geschäftserwartung für die nächsten Monate. Der Index für die Geschäftserwartung legte im Februar in Westdeutschland von 94,8 auf 101,0 Punkte zu, in Ostdeutschland von 81,0 auf 84,8 Zähler.

Die Urteile zur aktuellen Lage hätten sich hingegen weiter verschlechtert. "Die aktuelle Lage wird immer noch sehr viel schlechter als in der Zeit vor dem 11. September 2001 eingeschätzt", heißt es in dem Ifo-Bericht.

Eine derartig gegenläufige Entwicklung der Urteils- und Erwartungsseite ist nach Einschätzung des Präsidenten des Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, "typisch für eine späte Abschwungphase und einen nahenden unteren konjunkturellen Wendepunkt".

Laut Invesco-Chefvolkswirt Jörg Krämer befindet sich der Ifo-Index in einer kontinuierlichen Aufwärtsbewegung. Er hatte bereits vor der Veröffentlichung der Zahlen einen Index-Stand von 87,6 für Februar prognostiziert und lag damit am oberen Ende der Erwartungen. Seine positive Einschätzung begründete der Experte mit dem in der Vergangenheit stets recht deutlichen Zuwächsen des Ifo-Index vor einem wirtschaftlichem Aufschwung. "Der Ifo-Index erholt sich recht rasch, wenn erst einmal die Trendwende da war", sagte der Experte. Der Positivtrend wird sich seiner Meinung nach auch in den kommenden Monaten fortsetzen. Einen positiven Trend bei den realen Wirtschaftsdaten erwartet Krämer zur Jahresmitte.

Nach Sektoren untergliedert ist die Besserung des Geschäftsklimas besonders stark im Verarbeitenden Gewerbe und im Großhandel ausgeprägt. Im Bauhauptgewerbe dagegen blieb das Klima unverändert, im Einzelhandel hat es sich sogar deutlich eingetrübt.

Für den monatlich berechneten Index befragt das Ifo-Institut mehr als 7000 Unternehmen. Der Geschäftsklimaindex setzt sich aus den Einschätzungen der Geschäftslage und den Erwartungen zusammen.



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