Energiekrise und Inflation Ifo-Geschäftsklima verschlechtert sich deutlich

Die Geschäftsaussichten sind in vielen deutschen Unternehmen so schlecht wie seit dem Ausbruch der Pandemie nicht mehr. Auch Ökonomen prophezeien der Wirtschaft einen schweren Winter.
Turbinen-Produktion in Rostock (Archiv)

Turbinen-Produktion in Rostock (Archiv)

Foto: Bernd Wüstneck / picture alliance / dpa

Der von Energiepreisschocks und hoher Inflation geprägte Herbst wirft seine Schatten voraus: Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft ist derzeit so schlecht wie zuletzt im Mai 2020 – also nach den ersten Auswirkungen des Corona-Lockdowns. Das Geschäftsklima fiel im September im Vergleich zum Vormonat um 4,3 Punkte auf 84,3 Zähler, wie das Münchner Institut für Wirtschaftsforschung (ifo) mitteilte. Analysten und Analystinnen hatten mit einer Eintrübung gerechnet, die Prognosen wurden allerdings noch einmal unterschritten. Schon in den Monaten zuvor hatte sich die Stimmung stark verschlechtert.

Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen hatten bislang nur mit einem Rückgang auf 87 Punkte gerechnet. »Die deutsche Wirtschaft rutscht in eine Rezession«, sagt Ifo-Präsident Clemens Fuest. »Der Pessimismus mit Blick auf die kommenden Monate hat deutlich zugenommen.« In nahezu allen Branchen habe sich die Stimmung verschlechtert. Die rund 9000 Befragten in deutschen Führungsetagen äußerten sich zu Geschäftslage und Aussichten noch skeptischer als zuletzt.

Rezession im Winterhalbjahr

Der Ifo-Index signalisiere mehr denn je eine Rezession im Winterhalbjahr, sagte Commerzbank-Chefökonom Jörg Krämer. Der Energiepreisschock lasse die Kaufkraft der Konsumenten einbrechen und mache die Produktion vieler Unternehmen unrentabel. »Deutschland ist durch die massiv verteuerten Energieimporte ärmer geworden«, sagte Krämer. »Wir stehen vor einem wirtschaftlich schwierigen Winter.« Im Dienstleistungssektor brach das Ifo-Barometer ein, insbesondere das Gastgewerbe befürchtet demnach schwere Zeiten. Auch im Handel und Baugewerbe hat sich das Geschäftsklima nochmals spürbar verschlechtert.

Im Frühjahr hatte die deutsche Wirtschaft trotz der Folgen durch Russlands Angriff auf die Ukraine noch ein Miniwachstum von 0,1 Prozent geschafft. Derzeit sind die Perspektiven wegen der verschärften Energiekrise und der hohen Inflation aber düster. Die Bundesbank rechnet damit, dass die Wirtschaft mit dem Ende des Sommerquartals leicht schrumpfen wird, zum Jahresende und Anfang 2023 sogar spürbar an Fahrt verliert.

rog/dpa
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