ifo-Geschäftsklimaindex Wirtschaft im Weihnachtstaumel

Trotz Mehrwertsteuererhöhung und teurem Euro - die Wirtschaft erlebt nach Ansicht des ifo-Instituts den intensivsten Aufschwung seit 1990. Ein Beleg für diese Theorie: Der ifo-Geschäftsklimaindex hat sich im Dezember erneut überraschend deutlich auf 108,7 Punkte aufgehellt.


München - Der ifo-Geschäftsklimaindex sei von 106,8 Punkten im Vormonat auf 108,7 Punkte gestiegen, teilte das ifo-Institut mit. Das ist der höchste Stand seit 1991. Und das Stimmungsbarometer, das die Erwartungen von Unternehmen für die nächsten sechs Monate misst, ist erneut stärker gestiegen als erwartet: Volkswirte hatten höchstens mit einem leichten Anstieg des Index auf 107,0 Punkte gerechnet, manche Experten hatten sogar einen Rückgang auf 106,6 Punkte prognostiziert.

Damit setzt der Index seinen Höhenflug fort. Bereits im November war er überraschend von 105,3 Punkten im Oktober auf 106,8 Punkten gestiegen. "Die deutsche Wirtschaft befindet sich in einem außerordentlich starken Boom wie zuletzt 1990", folgerte ifo-Präsident Hans-Werner Sinn aus den immer wieder unerwartet guten Zahlen. Auch die bevorstehende Mehrwertsteuererhöhung kann der deutschen Wirtschaft nach Einschätzung des Instituts nichts mehr anhaben.

Denn der Index hellte sich in allen Branchen auf, auch im Einzelhandel, der am stärksten von der Steuererhöhung betroffen ist. Allerdings schätzten die Einzelhändler ihre aktuelle Lage etwas schlechter ein als im November. Trotzdem: "Die Mehrheitsmeinung der Unternehmen ist mittlerweile, dass die Konjunktur nicht abgewürgt wird", sagte ifo-Experte Klaus Abberger. Die Industrie sei in einer starken Verfassung. Zwar werde der Einzelhandel sicher zu Beginn des kommenden Jahres die Auswirkungen "etwas spüren". Aber im Industriebereich, vor allem bei den Investitionsgüterherstellern und im Maschinenbau, sei momentan doch ein "enorm starkes Geschäft zu beobachten, so dass vor allem hier der Schwung beibehalten wird", schätzte der Konjunkturexperte ein. Auch könne die Wirtschaft mit dem derzeitigen Euro-Kurs "offensichtlich leben", sagte Abberger.

Auch Experten außerhalb des Instituts erwarten nach der ifo-Umfrage eine anhaltende Konjunkturerholung. "Der Aufschwung wird bis in das Jahr 2008 robust bleiben", sagte Holger Schmieding von der Bank of America. Das schließe leichte Schwankungen im kommenden Jahr nicht aus.

Auch nach Einschätzung der Postbank sind die Chancen für einen erneuten Spitzenplatz Deutschlands beim Wirtschaftswachstum unter den großen Industrieländern gut. "Die Konjunktur brummt", hieß es in einer Studie. Der Aufschwung stehe auf einer breiten Basis. Die Binnennachfrage in Deutschland habe an Nachhaltigkeit und damit an Robustheit gewonnen. Zudem befinde sich das globale Wirtschaftswachstum weiterhin auf hohem Niveau. Für die DekaBank ist die kräftige Stimmungsaufhellung in der deutschen Wirtschaft gar eine "kleine Sensation". "Die Unternehmer setzen auf den Aufschwung und glauben fest an ihn", sagte DekaBank-Experte Andreas Scheuerle der Nachrichtenagentur dpa-AFX.

Aufgespalten in die verschiedenen Kategorien ergibt sich beim ifo-Index im Dezember folgendes Bild: Die rund 7000 befragten Firmen bewerteten sowohl ihre Geschäftsaussichten als auch ihre aktuelle Lage optimistischer. Der Erwartungsindex stieg zum dritten Mal in Folge überraschend auf 102,5 Punkte von revidiert 100,2 (100,1) Punkten im Vormonat. Auch der Index für die Lagebeurteilung legte zu. Er stieg auf 115,3 Punkte von 113,9 Zählern im Vormonat. Hier hatten die befragten Experten einen etwas geringeren Anstieg auf 114,2 Punkte erwartet. Der ifo-Index gilt als wichtigster Stimmungsindikator der deutschen Wirtschaft.

ase/dpa-AFX/ddp/reuters



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