Ifo-Index Unternehmen richten sich auf harten Corona-Winter ein

Im Kampf gegen die zweite Corona-Welle stehen wohl neue Beschränkungen bevor - das hat Auswirkungen auf die Wirtschaft: Der Optimismus der Unternehmen ist verflogen.
Einkaufsstraße in Köln: Zunehmend verunsichert

Einkaufsstraße in Köln: Zunehmend verunsichert

Foto: Ralph Peters / imago images/Ralph Peters

Die steigende Zahl von Corona-Neuinfektionen drückt stärker als erwartet auf die Stimmung der Unternehmen in Deutschland. Der Ifo-Geschäftsklimaindex fiel im Oktober auf 92,7 Punkte von 93,2 Zählern im Vormonat und damit das erste Mal nach zuvor fünf Anstiegen in Folge, wie das Münchner Institut am Montag mitteilte. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen hatten mit 93,0 Punkten gerechnet. "Angesichts steigender Infektionszahlen nehmen die Sorgen der deutschen Wirtschaft zu", folgerte Ifo-Präsident Clemens Fuest. Die Manager beurteilten den Ausblick für ihre Geschäfte skeptischer als zuletzt, ihre Lage aber etwas günstiger.

"Mit dem Anstieg der Infektionszahlen wächst die Nervosität der deutschen Wirtschaft", sagte Ifo-Konjunkturexperte Klaus Wohlrabe zu Reuters. "Für das vierte Quartal zeichnet sich Wachstum von 2,1 Prozent ab. Ein zweiter harter Lockdown ist darin nicht eingepreist." Ein Knackpunkt wäre, wenn Schulen und Kitas geschlossen werden müssten. "Die Konjunktur wird leiden - eine Rezession rückt näher", sagte auch DekaBank-Ökonom Andreas Scheuerle. "Es bedarf keines Lockdowns in Deutschland, um die Konjunktur auszubremsen." Schon die stark steigenden Infektionszahlen reichten aus. Denn Menschen in Quarantäne fehlten den Unternehmen, Haushalte und Firmen würden zunehmend verunsichert. Hinzu kämen verstärkte Einschränkungen des wirtschaftlichen Lebens bis hin zu Lockdowns im Rest Europa. "Das sind keine schönen Aussichten für das Winterhalbjahr."

Im Verarbeitenden Gewerbe kletterte der Ifo-Geschäftsklimaindikator allerdings erstmals seit Juni 2019 wieder in den positiven Bereich. Im Dienstleistungssektor - wozu auch das von der Coronakrise stark betroffene Gastgewerbe gehört - verschlechterte sich das Geschäftsklima merklich. "Der Optimismus der Vormonate zur weiteren Geschäftsentwicklung ist wieder verschwunden", erklärte Fuest. Im Handel trübte sich die Stimmung ebenfalls ein, und im Bauhauptgewerbe stoppte laut Ifo der Aufwärtstrend. "Die Unternehmen korrigierten ihre sehr guten Einschätzungen zur aktuellen Lage deutlich nach unten." Auch die Erwartungen fielen etwas pessimistischer aus.

Die deutsche Wirtschaft war im Frühjahr wegen der Coronakrise in Rekordtempo um 9,7 Prozent eingebrochen. Ökonomen und Bundesregierung erwarten für das zu Ende gegangene Sommerquartal zwar ein kräftiges Wachstum. Allerdings sorgt der Anstieg der Corona-Fälle in Deutschland und bei wichtigen Handelspartnern für Unsicherheit in der Wirtschaft.

mik/Reuters
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