Ifo-Index Weltwirtschaftsklima fällt auf historischen Tiefstand

Die Weltwirtschaftskrise erfasst immer mehr Branchen - und die aktuelle Lage macht Experten weltweit Angst: Um fast zehn Zähler ist der Index des Ifo-Instituts im Frühlingsquartal abgesackt. Die Zukunft bewerten die Ökonomen optimistischer.


Berlin/Halle - Das Ifo-Barometer für das Weltwirtschaftsklima ist im ersten Quartal 2009 von 60 auf 50,1 Punkte zurückgegangen. Der Index für die Einschätzung der derzeitigen wirtschaftlichen Lage fiel im Vergleich zum vierten Quartal 2008 von 67,6 auf 45,7 Punkte. Die befragten 1035 Experten aus 92 Ländern schätzen die Lage der Weltwirtschaft damit so schlecht ein wie noch nie zuvor.

Deutscher Maschinenbau: Kühles Wirtschaftsklima in Osteuropa
DPA

Deutscher Maschinenbau: Kühles Wirtschaftsklima in Osteuropa

Alle großen Regionen seien von der Verschlechterung betroffen, besonders aber Westeuropa und Asien, teilten die Forscher mit. Der Indikator in Lateinamerika, Osteuropa und dem Nahen Osten liege über dem Durchschnitt. "Die Export- und Importerwartungen der Experten sprechen für einen deutlichen Rückgang des Welthandels im ersten Halbjahr 2009", sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn.

Immerhin schauen die Experten zunehmend optimistisch in die Zukunft. Der Index erhöhte sich von 52,6 auf 54,4 Zähler. Es war der erste Anstieg seit dem dritten Quartal 2007.

Die Inflation dagegen dürfte nach Ifo-Einschätzung deutlich nachlassen, vor allem für die kommenden sechs Monate erwarten die befragten Experten einen niedrigeren Preisanstieg. Besonders stark dürfte der Rückgang in Westeuropa und Nordamerika ausfallen. Nahezu überall wird nun wegen der niedrigeren Teuerungsraten und der Rezession mit sinkenden Leitzinsen gerechnet.

Ostdeutsche Industrie laut IWH im Abwärtssog

Neue Abschwungsignale gibt es auch in Ostdeutschland. Viele der dortigen Industrieunternehmen haben ihre Umsatzerwartungen für 2009 deutlich herabgesetzt. Das ergab eine am Mittwoch veröffentlichte Umfrage des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) unter rund 300 Unternehmen. Laut IWH rechnen 42 Prozent der Unternehmen mit Rückgängen, davon 23 Prozent mit mehr als 10 Prozent.

Für 2008 hatten dem Institut zufolge trotz des abwärts gerichteten Verlaufs der konjunkturellen Entwicklung 59 Prozent der Unternehmen Umsatzzuwächse gemeldet, ein Drittel habe Einbußen verzeichnet.

Die Lage auf dem Jobmarkt schätzt die Mehrheit der ostdeutschen Betriebe derzeit noch relativ optimistisch ein. 52 Prozent der Befragten rechnen für 2009 mit einer stabilen Mitarbeiterzahl. 27 Prozent gingen sogar von einem Anstieg der Beschäftigtenzahl aus. Arbeitsplätze abbauen wollten dagegen 21 Prozent. Insgesamt seien die Erwartungen an die Beschäftigungsentwicklung allerdings im Vergleich zu Anfang 2008 deutlich zurückhaltender, so das IWH.

ssu/dpa/ddp/Reuters



© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.