Ifo-Umfrage Soloselbstständige haben Angst vor dem Winter

Inflation, Mangel an Gas und Material, triste Stimmung unter Konsumenten: Die deutsche Wirtschaft schaut skeptisch auf die kommenden Monate. Besonders schlecht ist die Stimmung bei den kleinsten Unternehmen.
Schwach beleuchtete Fußgängerzone: Dienstleister noch am zufriedensten

Schwach beleuchtete Fußgängerzone: Dienstleister noch am zufriedensten

Foto:

Oliver Berg / picture alliance/dpa

Die ohnehin schlechte Stimmung in Kleinstunternehmen und bei Soloselbstständigen hat sich im August weiter eingetrübt. Das Barometer für das Geschäftsklima fiel um 0,7 auf das Rekordtief von minus 12,8 Punkten, wie das Ifo-Institut am Donnerstag zu seiner monatlichen Umfrage mitteilte. »Im Moment besteht leider wenig Hoffnung auf Besserung«, sagte der Leiter der Ifo-Umfragen, Klaus Wohlrabe, zur Entwicklung des seit einem Jahr berechneten Indikators. »Die Sorgenfalten bei den Unternehmern sind tief mit Blick auf die kommenden Monate.«

Die Unternehmen bewerteten ihre aktuelle Lage etwas weniger gut als im Vormonat. Die Dienstleister sind dabei noch am zufriedensten mit ihren laufenden Geschäften. Die Erwartungen sind insgesamt zwar etwas gestiegen, bleiben jedoch von großem Pessimismus geprägt. Insbesondere der Einzelhandel sieht sich vor schweren Monaten. »Auch die Kleinstunternehmen und Soloselbstständigen können sich der allgemeinen Unsicherheit nicht entziehen«, sagte Wohlrabe angesichts der Energiekrise, die eine hohe Inflation und damit einen Kaufkraftverlust nach sich zieht.

Die Kleinstunternehmen selbst könnten etwas zur Entspannung bei der Teuerung beitragen: So schraubten sie ihre Preispläne den dritten Monat in Folge zurück. Sie bleiben allerdings auf hohem Niveau, wie Jimdo im Auftrag der Ifo-Forscher herausfand.

Die Stimmung ist derzeit in der gesamten deutschen Wirtschaft mies, da ihr neben hohen Preisen auch Materialmangel und eine schwächere Weltkonjunktur zusetzen. Das Ifo-Institut hat deshalb seine erst drei Monate alten Konjunkturprognosen für das kommende Jahr drastisch korrigiert. Beim Bruttoinlandsprodukt wird nun für 2023 anstelle eines Wachstums von 3,7 Prozent ein Rückgang von 0,3 Prozent angenommen, weil die Deutschen bei sinkender Kaufkraft weniger konsumieren dürften. »Die Kürzungen der Gaslieferungen aus Russland im Sommer und die dadurch ausgelösten drastischen Preissteigerungen verhageln die wirtschaftliche Erholung nach Corona«, sagte Ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser.

mik/Reuters
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.