IG Metall Das Duisenberg-Modell

Zur Lösung ihres Führungskonflikts orientieren sich die IG-Metall-Bosse offensichtlich am Beispiel der europäischen Notenbank. Ähnlich wie EZB-Chef Wim Duisenberg bei seiner Ernennung soll jetzt sich auch Jürgen Peters verpflichtet haben, den Stab nach vier Jahren an seinen Vize Berthold Huber weiterzureichen.


Sieger und Nachfolger: Designierter IG-Metall-Chef Peters, Stellvertreter Huber
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Sieger und Nachfolger: Designierter IG-Metall-Chef Peters, Stellvertreter Huber

Frankfurt am Main - 2007 wäre dann der Weg für den baden-württembergischen Bezirksleiter und designierten Peters-Stellvertreter frei. Auf einen solchen Kompromiss verständigten sich die beiden Kontrahenten im Führungsstreit der IG Metall intern, wie die Nachrichtenagentur AP am Dienstag aus Gewerkschaftskreisen erfuhr.

Demnach garantiert der als Traditionalist geltende Peters, dass er bei der ersten regulären Wahl nach der Übernahme des Gewerkschaftsvorsitzes nicht mehr kandidieren wird. Dies war offensichtlich die Voraussetzung dafür, dass sich Huber doch noch auf die Tandemlösung einließ, die der Vorstand bereits im April beschlossen hatte. Nach dem gescheiterten Streik in der ostdeutschen Metall- und Elektroindustrie hatte der Reformer Huber seine Kandidatur zunächst zurückgezogen.

Am Mittwoch will der IG-Metall-Vorstand offiziell beschließen, den ordentlichen Gewerkschaftstag zur Neuwahl des Vorstandes von Mitte Oktober auf Ende August vorzuziehen. Zugleich soll die Tandemlösung als Vorstandsvorschlag abgesegnet werden.

Intern regt sich allerdings weiter Kritik an dem Modell: "Auf dem Schiff IG Metall braucht es in diesem Schlingerkurs kein Tandem, sondern ein Team", sagte der bayerische Bezirksleiter Werner Neugebauer gegenüber der "Financial Times Deutschland". Gleichwohl zeigte sich Neugebauer überzeugt, dass die Basis dem Kompromiss zustimmen wird. Die Sehnsucht der Mitglieder nach einer Einigung sei sehr stark. Dennoch werde es auf dem Gewerkschaftstag eine weitere Debatte um personelle Konsequenzen geben.

Der Erste Bevollmächtigte der IG Metall Bochum, Ludger Hinse, kritisierte, man habe sich vier Monate im Hamsterrad gedreht und sei genau an der gleichen Stelle angekommen, wo man losgelaufen sei. Der Gewerkschafter warf in einem Interview mit dem Westdeutschen Rundfunk verantwortlichen Kollegen vor, Grundwerte wie Solidarität und Gemeinschaft mit den Füßen getreten zu haben. Die Tandemlösung werde den Personalstreit sicher vorläufig beenden, doch viel entscheidender sei die Frage, wie es nun mit der IG Metall weitergehe.

Mehrere niedersächsische IG-Metall-Betriebsräte begrüßten dagegen die Tandemlösung. "Angesichts der Spannungen innerhalb der IG Metall ist das die einzig vernünftige Lösung zur Überwindung der Personaldebatte", erklärte der Betriebsratsvorsitzende von Karmann in Osnabrück, Harald Klausing. Auch die Betriebsratsvorsitzenden des Salzgitter-Konzerns, von Continental Teves in Gifhorn, der Aerzener Maschinenfabrik, von Alstom LHB und Robert Bosch Elektronik in Salzgitter votierten für eine Doppelspitze.

Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall rief die Gewerkschaft dazu auf, einen raschen Neuanfang herbeizuführen. "Wichtig ist, dass sich die IG Metall wieder stabilisiert. Nur dann haben wir einen zuverlässigen Gesprächspartner", sagte Hauptgeschäftsführer Hans Werner Busch im ZDF. Es werde sich zeigen, ob man mit der neuen Führung reden könne.



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