IG-Metall-Führungsstreit Zwickel attackiert seinen Nachfolger

Die Führungsstreit in der IG Metall endet mit einer Niederlage der Reformer: Der umstrittene Jürgen Peters soll nun doch Chef werden, für die Modernisierer springt nur ein Vizeposten heraus. Klaus Zwickel trat vorzeitig zurück - und ging mit dem Nachfolger öffentlich ins Gericht.


Kartet nach: Klaus Zwickel
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Kartet nach: Klaus Zwickel



Frankfurt am Main - Zwickel warf am Freitag wenige Wochen vor dem Ende seiner zehnjährigen Amtszeit das Handtuch. Er müsse definitiv feststellen, dass es einen personellen Neuanfang, den er für dringend notwendig halte, nicht geben werde. Daher habe er sich zum Rücktritt entschieden, sagte Zwickel am Montag in Frankfurt.

"Mit diesem Schritt übernehme ich ausdrücklich nicht die alleinige Verantwortung für die tarifpolitische Niederlage in der ostdeutschen Metall- und Elektroindustrie. Die Hauptverantwortung für den verlorenen Arbeitskampf tragen Jürgen Peters und der Bezirksleiter von Berlin-Brandenburg, Hasso Düvel." Auch an der quälenden Führungsdebatte trage er keine Schuld: "Dieses Chaos habe ich nicht verursacht." Er sei schon vor Wochen bereit gewesen, durch einen Rücktritt den Weg für einen personellen Neuanfang freizumachen. Damit habe er sich nicht durchsetzen können.

Alles wie gehabt

Die neue Führung der IG Metall sieht so aus, wie bereits im April beschlossen. "Jürgen Peters und Berthold Huber haben vereinbart, die IG Metall gemeinsam über die Spaltung hinweg zu führen", sagte ein Sprecher der von Vorstandsmitglied Jürgen Stamm geführten IG-Metall-Verwaltungsstelle Stuttgart am Montag entsprechende Zeitungsberichte. Peters bestätigte dies inzwischem.

Der bisherige Vize wird den Vorsitz der Gewerkschaft übernehmen, nachdem sich im so genannten Reformerlager letztlich kein Alternativkandidat gefunden hat. Für die Tarifpolitik soll Huber als zweiter Vorsitzender zuständig sein. Nach dem gescheiterten Streik hatte Huber seine Kandidatur zurückgezogen, eine Zeit lang wurde er als kommender Mann an der Spitze gehandelt, weil Peters diskreditiert schien. Durch unentschlossenes Auftreten scheint sich Huber seine Chancen auf den Vorsitz aber verbaut zu haben. Peters hatte am Wochenende erneut für die Tandemlösung mit Huber geworben.

"Nicht mehr Herr des Geschehens"

Nachdem eine Zeit lang Peters der größte Sündenbock in der Gewerkschaft gewesen war, hatte Zwickel ihm zwischenzeitlich fast den Rang abgelaufen. Die Kritik an seiner Amtsführung in der Führungskrise wuchs in den vergangenen Tagen. "Zwickel ist nicht mehr Herr des Geschehens", hatte IG-Metall-Vorstandsmitglied Detlev Kunkel der "Financial Times Deutschland" gesagt. Der nicht abgestimmte Vorstoß für eine Pressekonferenz zu Personalfragen am Freitag, die dann wieder abgesagt wurde, habe große Verärgerung ausgelöst.

Peters blockiert sich nach oben

Neues, altes Tandem Peters-Huber: Die IG Metall will ihren Führungsstreit beenden - nur eine neue Führung gibt es nicht
DPA

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Huber hat nach Informationen der "FTD" bei einem Treffen des Reformflügels am Mittwochabend einer erneuten Kandidatur zugestimmt. Zuvor habe DaimlerChrysler-Betriebsrat Helmut Lense eine Kampfkandidatur abgelehnt. "Ich würde eine solche Lösung sehr begrüßen", sagte Kunkel, der zu den Peters-Befürwortern gehört.

Huber steht Veränderungen und Kompromissen in der Tarif- und Sozialpolitik aufgeschlossener gegenüber als Peters. Der stand seit Wochen im Zusammenhang mit den gescheiterten Streiks in Ostdeutschland massiv unter Druck und war von Zwickel zum Rücktritt aufgefordert worden. Peters hatte dies abgelehnt. Der Hauptvorstand der IG Metall sollte den Angaben zufolge am Mittwoch mit einem einvernehmlichen Personalvorschlag einen Schlussstrich unter die öffentlichen Streitereien und Spekulationen ziehen.



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