IG Metall-Gewerkschaftstag Die Stunde der Selbstkritischen

Die IG Metall streitet über die Konsequenzen aus dem verlorenen Streik in Ostdeutschland - dennoch gilt die Wahl vom ungleichen Tandem Peters/Huber als sicher. Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall erklärt die Gewerkschaft unterdessen für tarifunfähig.


Jürgen Peters: Wahl zum Vorsitzenden nicht gefährdet
DDP

Jürgen Peters: Wahl zum Vorsitzenden nicht gefährdet

Frankfurt am Main - "Es hat sich draußen vieles bewegt, aber in der eigenen Struktur nicht", kritisierte Porsche-Gesamtbetriebsratschef Uwe Hück am Samstag vor den rund 600 Delegierten in Frankfurt am Main.

Hück, der vergangene Woche mit der Drohung einer Kampfkandidatur gegen Peters für Aufregung gesorgt hatte, forderte, von dem Gewerkschaftstag müsse ein Signal des Neubeginns ausgehen. Das Streik-Debakel müsse aufgeklärt werden, "Schelte" sei aber unangebracht. Vielmehr müsse die Frage lauten, wie die in der politischen Landschaft isolierte IG Metall wieder mit Politikern und Parteien ins Gespräch kommen könne.

Der damalige Streikleiter in Ostdeutschland, der Berliner IG-Metall-Bezirksleiter Hasso Düvel, räumte wie zuvor schon der künftig IG-Metall-Chef Jürgen Peters Fehler ein. Einen Rücktritt schloss er aber aus - er wolle sich nicht vor der Aufarbeitung drücken. "Wir haben manches nicht vorhergesehen, auch manches fehleingeschätzt", sagte Düvel. Zugleich warf er dem zurückgetretenen IG-Metall-Vorsitzenden Klaus Zwickel vor, das Scheitern des Streiks vorschnell erklärt zu haben.

Doch die Streitereien schaden der für morgen geplanten Vorstandskür nicht. Für den Posten des IG-Metall-Chefs ist der bisherige Vize Peters vorgeschlagen, sein Stellvertreter soll der bisherige baden-württembergische Bezirksleiter Berthold Huber werden. Die Wahl der beiden Funktionäre gilt trotz des Streits über die Niederlage im Kampf um die 35-Stunden-Woche in Ostdeutschland als sicher.

Auf der Arbeitgeberseite löste dies keine große Freude aus - sondern Drohungen. Gesamtmetall-Chef Martin Kannegiesser sagte, die IG Metall sei derzeit kein tariffähiger Verhandlungspartner für die Industrie und drohte mit einer härteren Gangart bei Tarif-Auseinandersetzungen. "Wir werden als Verband künftig nicht mehr dazu bereit sein, Vereinbarungen mit den Gewerkschaften abzuschließen, die einen Teil unserer Betriebe überfordern."

Unterdessen drohte sich der Machtkampf um die künftige Führung der IG Metall auf die hinteren Plätze im Vorstand zu verlagern. Offenbar erwägt der Schweinfurter IG-Metall-Chef Klaus Ernst eine Kandidatur gegen den Vorstandsvorschlag für die vier Posten hinter Peters, Huber und Kassierer Bertin Eichler. Ernst gilt als Vertrauter von Peters, der angeblich fürchtet, in dem Gremium keine Mehrheit gegen Huber zu finden.



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