IG-Metall-Gewerkschaftstag Sie streiten Seit an Seit

Da sind noch Rechnungen offen: Mit der Debatte um den gescheiterten Streik in Ostdeutschland hat die IG Metall am Samstag ihren Gewerkschaftstag in Frankfurt am Main fortgesetzt.


"Beitrag zur Schwächung der IG-Metall": Künftiger IG-Metall-Chef Peters
AP

"Beitrag zur Schwächung der IG-Metall": Künftiger IG-Metall-Chef Peters

Frankfurt am Main - Am Freitagabend hatte bereits Daimler-Chrysler-Betriebsratschef Erich Klemm erneut scharfe Kritik an der Organisation des Ende Juni ergebnislos abgebrochenen Streiks geübt. Der designierte IG-Metall-Chef Jürgen Peters hatte seine Gewerkschaft dagegen zu Geschlossenheit aufgerufen.

Klemm griff Peters auf dem Gewerkschaftstag indirekt an, indem er die "politisch Verantwortlichen" des Streiks kritisierte. Klemm sagte, ihm sei es so vorgekommen, als sei die Tarifrunde weder gut vorbereitet noch strategisch richtig ausgerichtet gewesen. Peters hatte am Freitag Fehler eingeräumt. Nach dem Streikdebakel im Kampf um die 35-Stunden-Woche in Ostdeutschland war der damalige Verantwortliche für Tarifpolitik zum Rücktritt aufgefordert worden, unter anderem vom dann selbst zurückgetretenen langjährigen IG-Metall-Vorsitzenden Klaus Zwickel.

Die Aussprache über die Streikniederlage sollte noch den gesamten Samstag andauern. Am Sonntag soll Peters zusammen mit seinem designierten Stellvertreter, dem bisherigen baden-württembergischen Bezirksleiter Berthold Huber, gewählt werden.

Der Vorsitzende des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall, Martin Kannegiesser, hat unterdessen neue Formen der Streikkultur gefordert. Mit Arbeitskämpfen zu drohen, bevor überhaupt die Verhandlungen begännen und Vorstellungen auf dem Tisch lägen, werde in Zukunft mit der Mehrzahl der Betriebe nicht mehr zu machen sein, sagte Kannegiesser am Samstag im Deutschlandradio Berlin. Er warnte die IG Metall zugleich vor allen weiteren Versuchen, mit Hilfe von Arbeitszeitverkürzungen eine Angleichung der Verhältnisse in Ost- und Westdeutschland erreichen zu wollen.

Die alten Bundesländer mit den kürzesten Arbeitszeiten innerhalb der Industrieländer als Maßstab zu nehmen, sei falsch, sagte der Gesamtmetall-Chef. Genauso falsch sei es, einzelne erfolgreiche Unternehmen im Osten an einen Flächentarifvertrag zu binden. Auf diese Lokomotiven sei man angesichts der herrschenden Arbeitslosigkeit angewiesen. Daher dürften sie nicht überfordert werden. Die Vorteile eines Flächentarifvertrags sollten zudem nicht durch die engen betrieblichen Gestaltungsmöglichkeiten zunichte gemacht werden. Sonderregelungen und Härtefallklauseln griffen in der Regel zu spät und seien ein zu schwerfälliges Instrument.



© SPIEGEL ONLINE 2003
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.