IG-Metall-Personalkarussell "Das kann fix gehen"

In der zunehmend chaotischen Debatte über den Chefwechsel bei der IG Metall war zuletzt Bezirksleiter Berthold Huber als Retter in der Not im Gespräch. Dummerweise weiß anscheinend keiner so genau, ob der Baden-Württemberger auch wirklich zur Verfügung steht - Huber selbst inbegriffen.


Musste kurzfristig nicht handeln: Berthold Huber
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Musste kurzfristig nicht handeln: Berthold Huber

Berlin - Vor dem gescheiterten Streik für die 35-Stunden-Woche in Ostdeutschland herrschte bei der IG Metall Einvernehmen darüber, wie die Nachfolge des demnächst aus Altersgründen abtretenden ersten Vorsitzenden Klaus Zwickel aussehen sollte. Neuer Obermetaller sollte der Traditionalist und derzeitige Zwickel-Vize Jürgen Peters werden. Berthold Huber, einer der sieben Bezirksleiter und ausgewiesener Modernisierer, sollte den Vize geben.

Nach dem Streikdebakel, das Zwickel, Huber und andere Peters anlasten, war der Plan dann passé. Unter so einem wollte Huber nicht Nummer zwei sein. Die designierte Nummer eins war über den Rückzug des Rivalen nach eigenem Bekunden sehr unglücklich. "Ich bedaure sehr, dass Berthold Huber aufgegeben hat", so Peters. "Wir hätten uns gut ergänzt."

Gewerkschafts-Foxtrott

Bereits kurz nach Hubers Rücktritt von seinen zukünftigen Posten raunten Spitzenfunktionäre der Journaille "off the record" zu, der Genosse Berthold habe sich nur taktisch zurückgezogen. Er würde schon wollen, nur im Team mit Peters wolle er keinesfalls, lieber würde er in diesem Fall wollen, dass aus ihm nichts würde. Auch ein Treffen Hubers mit den Leitern der 27 IG-Metall-Verwaltungsstellen an diesem Freitag deutete darauf hin, dass der Schwabe seine Chancen auslotet und Truppen sammelt.

Nach der Kabale in Stuttgart wollte Huber vor der Presse erklären, wer denn jetzt eigentlich was und mit wem. Damit Klarheit herrscht. Klar ist bisher allerdings nur, dass es keine Pressekonferenz geben wird. Huber hat sie überraschend abgesagt, wegen des "kurzfristig eingetretenen größeren Beratungsbedarfs zwischen den Bevollmächtigten der IG Metall", wie ein Sprecher erklärte.

Das wirft Fragen auf. Sammelt Huber seine Truppen noch? Ist ihm vielleicht "kurzfristig" aufgefallen, dass er gar keine hat? Man weiß es nicht. Die Pressekonferenz werde zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt, sagte der Sprecher.

Eile mit Weile

Ebenfalls kurzfristig könnte es nach Meinung vieler Metaller zu einem außerordentlichen Gewerkschaftstag kommen. Denn die Strategie des Vorstandes, die Führungskrise ohne weitere Lösungsversuche bis zum ordentlichen Gewerkschaftstag im Herbst schwelen zu lassen, stößt bei vielen Mitgliedern auf blanke Ablehnung. Vor allem Funktionäre aus Baden-Württemberg und Bayern drängen auf ein vorgezogenes Konklave.

Eine Sprecherin machte jedoch deutlich, dass so etwas nicht von heute auf morgen geht: "Ein außerordentlicher Gewerkschaftstag kann nur vom Beirat der IG Metall angesetzt werden. Den Beirat müsste der Vorstand einberufen, der sich regulär erst am 1. September wieder treffen wird." Eigentlich. Aber nicht nur Berthold Huber lernt in diesen Tagen, sehr kurzfristig zu agieren. Die Organisation, so die Sprecherin, sei bei entsprechendem Druck der Basis auch in der Lage, die Dinge zu beschleunigen. "Natürlich kann eine Situation eintreten, in der der Vorstand vorzeitig zusammenkommt. Das kann fix gehen. Da sind wir schon flexibel."



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