Ikea-Gründer Kamprad wird 80 Reicher, armer Mann

Nazi-Vorwürfe, Alkoholprobleme und eine Leseschwäche konnten Ikea-Gründer Ingvar Kamprad nicht aus der Erfolgsspur werfen. Heute wird der Möbelpapst 80, gehört zu den reichsten Menschen des Planeten und ist der lebende Beweis dafür, dass Geiz doch geil sein kann.

Hamburg - Ingvar Kamprad interessiert sich nicht dafür, was der Rest der Menschheit von ihm hält. "Die Leute halten mich für billig. Sollen sie doch. Ich bin sehr stolz darauf, den Regeln unserer Firma zu folgen", sagte der Gründer der Möbelkette Ikea jüngst in einem Interview mit dem Schweizer Fernsehen.

Dabei hat nicht Ikea Kamprad zum Billigheimer gemacht, sondern er hat mit seiner Sparmanie dem Unternehmen den Stempel aufgedrückt. Gerne pflegt der Multimilliardär die Legenden über seine Knauserei (siehe Kasten). Und das, obwohl der Reichtum des Wahl-Schweizers - bei den Eidgenossen muss Kamprad weniger Steuern zahlen als in der schwedischen Heimat - bestens dokumentiert ist. Im Ranking des US-Magazins "Forbes" der vermögendsten Menschen der Welt liegt er mit 28 Milliarden Dollar auf Rang vier.

Der geborene Pfennigfuchser

Auch der aktuelle Geschäftsverlauf von Ikea sollte ihm wenig Anlass zur Sorge geben. Mit fast 100.000 Mitarbeitern erwirtschafteten die über 200 Möbelhäuser in 34 Ländern im abgelaufenen Geschäftsjahr ein Umsatzplus von 13 Prozent auf 14,8 Milliarden Euro. Über den Gewinn schweigt sich der Konzern traditionell aus. Es sei sehr gut gelaufen, hieß es lediglich.

Kamprad dreht dennoch jeden Cent um: "Alles, was wir verdienen, brauchen wir als Reserve." Zum Sparen müssen auch die Mitarbeiter beitragen, denen der Gründer nach seinem Vorbild empfiehlt, Papier stets beidseitig zu benutzen. Kamprads Geiz-Inszenierungen dienten immer auch dazu, die Kosten im eigenen Haus niedrig zu halten. Auf teure Strategiekonzepte verzichtet er, die Hierarchien bei Ikea sind flach und pompöse Auftritte gibt es nicht. Am liebsten tritt Kamprad im bunten Hemd ohne Krawatte vor die Belegschaft.

Dabei kann er eigentlich nichts für seine Pfennigfuchserei, die wurde ihm quasi in die Wiege gelegt. Auf den Tag genau vor 80 Jahren geboren, kam Kamprad als Nachkomme deutscher Einwanderer in der südschwedischen Provinz Småland zur Welt. Die Region gilt als ärmlich und die Bewohner sind gleichermaßen bekannt für Geiz und Fleiß.

Beide Eigenschaften besaß Kamprad schon früh zur Genüge. Im Kindesalter verkaufte er Zündhölzer an die Nachbarn des heimischen Bauernhofes. 1943 gründete der gelernte Tischler einen Versandhandel und benannte diesen nach den Anfangsbuchstaben seines Namens und das Heimatortes Elmtaryd Agunnaryd: Ikea.

Nachdem er zunächst allerlei Nippes wie Kugelschreiber und Gemüsesamen verschickt hatte, sattelte der Jungunternehmer Anfang der fünfziger Jahre auf Möbel um. Damals förderte der schwedische Staat im großen Stil den Wohnungsbau. Kamprad belieferte seine Landsleute mit einfacher, billiger Innenausstattung. Schon damals gab er die Losung aus, dass Ikea stets die günstigste Ware anbieten muss.

Gorm, Poäng und Lycklig erobern die Welt

1958 eröffnete er das erste Möbelhaus, damit begann der eigentliche Aufstieg Ikeas. Um billig anzubieten, setzte Kamprad 1961 mitten im Kalten Krieg auf polnische Zulieferer. Schwedische Hersteller boykottierten seine Preispolitik. Um beim Transport zu sparen, kam er auf die Idee, Schränke, Tische und Betten als Bausatz zu verkaufen. Seither weiß die Welt, was ein Inbusschlüssel ist. Um Zeit zu sparen, öffnete er die Lager für Kunden, die sich dort direkt bedienen. Zur Orientierung tragen die Möbel seitdem Namen wie Gorm (ein Regal), Poäng (ein Hocker) oder Lycklig (eine Tasche für TV-Fernbedienungen). Und um Miete zu sparen, verlegte Kamprad die Filialen an den Rand der Großstädte.

Dort wuchsen bald reihenweise blau-gelbe Kaufhallen. Die erste Auslandsfiliale öffnete 1963 in Oslo, 1974 die erste Deutschland-Dependance bei München. Die Bundesrepublik ist nach wie vor der wichtigste Markt für Ikea. Zuletzt entstanden Ikea-Häuser in China, Russland und der Türkei. Die Schweden sind heute eine Möbelweltmacht. Jahr für Jahr entstehen 20 neue Läden und der Ikea-Katalog ist - nach Angabe der Firma - die weltweit meist gelesene Lektüre nach der Bibel.

Whisky-, Schreib- und Leseschwäche

Der Aufstieg vom Kleinkrämer zum Möbelpapst ging an Kamprad nicht spurlos vorüber. "Kaum einer hat so viele Fehler gemacht wie ich", sagte er einmal, wobei der Selfmade-Man die Krisen stets auf seine Art zu meistern wusste. Dass er sich während seiner Jugend in einer Nazi-Organisation betätigt hatte, kam beispielsweise erst Mitte der neunziger Jahre heraus. Kamprad entschuldigte sich, sprach von einer "Dummheit", und der Fall war erledigt. Offen ging er auch mit seinem Alkoholproblem ("Ich mag Whisky und Wein sehr") und einer Schreib- und Leseschwäche um.

Die Imagepflege als geiziger Ehrgeizling dagegen ist bei Kamprad Dauerprogramm. Dabei mag der Möbelmogul einfach nicht von Ikea lassen. Obwohl seine drei Söhne im Unternehmen arbeiten, mischt er sich immer wieder ein. Gelegentlich spricht er seinen Nachkommen gar die Fähigkeit ab, den Konzern zu führen. Selbst nach seinem 80. Geburtstag dürfte sich daran nichts ändern. "Es gibt viel zu tun, ich habe keine Zeit zum Sterben", verkündete er jüngst.

Mehr lesen über
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.