ILA-Eröffnung Spektakuläre Stunts, trübe Stimmung

Auf den ersten Blick ist alles wie immer: Zur Eröffnung der Flugzeugmesse ILA gab's ein spektakuläres Flugprogramm, Kanzlerin Merkel machte ihren Rundgang und feierte Gegenwart und Zukunft der Branche. Doch die Stimmung ist gedämpft - denn tatsächlich droht der Industrie eine Krise.


Berlin - Immerhin, mit einem Rekord kann die Internationale Luft- und Raumfahrtausstellung (ILA) aufwarten: Rund 1127 Aussteller sind dieses Jahr dabei, so viele waren es den Veranstaltern zufolge noch nie. Zum ILA-Start 2008 wurde außerdem eifrig Optimismus demonstriert: Der Koordinator der Bundesregierung für Luft- und Raumfahrt, Peter Hintze (CDU), sah die Branche "stark aufgestellt". Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) lobte die Messe bei ihrem Eröffnungsrundgang als "Paradebeispiel der internationalen Kooperation" - Anlass war der Anblick des ausgestellten A380, dessen Bestandteile aus mehreren EU-Staaten kommen.

Tatsächlich ist die Stimmung auf der Messe gedämpft. Noch stimmen zwar die Zahlen: Im vergangenen Jahr stieg der Umsatz um 3,8 Prozent. Doch der steigende Ölpreis, der schwache Dollarkurs und die US-Finanzmarkt setzten den Unternehmen zu. Schon jetzt macht sich die Entwicklung bei den Fluggesellschaften bemerkbar, vor allem bei den Billigfliegern mit ihrer schlanken Kostenstruktur. Über kurz oder lang werden die Probleme auch die Hersteller einholen - weil schlicht weniger bestellt wird. "Wir sehen einige Wolken am Horizont", gestand der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie (BDLI), Thomas Enders, am Dienstag ein. Die Messe beschäftigt sich deshalb auch vor allem mit Möglichkeiten zur Einsparung von Kerosin und mit alternativen Antriebsstoffen.

Bei den Flug-Shows freilich wird so viel Kerosin verbraucht wie eh und je. Allerdings verlief der erste Messetag nicht ganz reibungslos. Ein historisches Jagdflugzeug kam bei der Landung von der Bahn ab - ein Fahrwerksbein war eingeknickt. Verletzt wurde aber niemand, der Flieger blieb im Gras stehen.

Zudem entschied das Verwaltungsgericht Cottbus, dass bei den Shows der Messe Flugzeuge im Gebiet der Berliner Randgemeinde Eichwalde nicht tiefer als 450 Meter fliegen dürfen. Das Gericht gab damit dem Eilantrag eines Bewohners aus Gründen des Lärmschutzes statt, wie ein Gerichtssprecher mitteilte. Der Kläger hatte beantragt, die rund um den Flughafen Schönefeld vorgesehenen Militärflüge mit Düsenjägern auf einer Flughöhe von 150 Meter zu untersagen. Die Gerichtsentscheidung betreffe nur Eichwalde, sagte ein Sprecher der ILA-Veranstalter. Die Attraktivität der Luftfahrtschau werde dadurch nicht gemindert.

Die ILA gilt als einer der bedeutendsten Branchentreffs dieses Jahres. Gezeigt werden aktuelle und künftige Produkte aus der Luft- und Raumfahrtindustrie. Es gibt mehr als 100 Konferenzen und Workshops, außerdem werden rund 300 Fluggeräte gezeigt, wobei die Palette vom historischen "Rosinenbomber" bis zum hochmodernen Airbus-Flaggschiff A380 reicht. Auch allerlei Kampfhubschrauber und andere Militärflieger werden gezeigt - Kritiker sprechen deshalb gerne auch vom "Schaufenster der Rüstungsindustrie".

ase/AP/ddp



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