Image-Offensive L'Oréal kauft Body Shop

Der Kosmetikriese L'Oréal erweitert sein Geschäft um eine ökologisch korrekte Sparte: Künftig gehört die britische Naturkosmetik-Kette The Body Shop zum Pariser Konzern. Das Unternehmen, bislang eher für die Produktion in Chemielaboren bekannt, lässt sich die Übernahme einiges kosten.


Paris/London - Fast eine Milliarde Euro zahlt der weltgrößte und profitabelste Kosmetikhersteller L'Oréal für The Body Shop. Wie das französische Unternehmen heute bekannt gab, verpflichteten sich die Body-Shop-Gründer Gordon und Anita Roddick und sämtliche Mitglieder der Firmenspitze, ihre Aktien einzubringen. Auch die Beaverbridge Holding räumte L'Oréal eine Option zum Kauf ihres Anteils von 21 Prozent ein.

Das Ehepaar Roddick hatte sich bereits 2002 aus der Geschäftsführung zurückgezogen und das Unternehmen bis auf eine 18-Prozent-Beteiligung verkauft.

Body-Shop-Filiale: Britisches Unternehmen wird französisch
AFP

Body-Shop-Filiale: Britisches Unternehmen wird französisch

"Diese Akquisition wird das Marken-Portefeuille von L'Oréal durch eine sehr komplementäre Marke mit starker Identität und starken Werten verstärken", erklärte der Konzern. "L'Oréal verpflichtet sich, diese Werte zu respektieren."

Aus der Geschäftsführung von The Body Shop hieß es heute, man habe dem Verkauf zugestimmt. Das Unternehmen solle weiterhin eigenständig bleiben und seine Identität behalten, die jetzige Geschäftsführung bleibe im Amt. L'Oréal bestätigte gegenüber SPIEGEL ONLINE, dass auch künftig keine Produkte des Pariser Konzerns in Body-Shop-Filialen verkauft würden.

The Body Shop tritt gegen Tierversuche ein und verkauft Kosmetika aus natürlichen Inhaltsstoffen. Anita Roddick gründete die Firma vor 30 Jahren im britischen Brighton mit 3000 Pfund Startkapital, das Geld lieh sie sich angeblich von einem Freund. "Firmen, die nicht moralisch, sondern nur aus Profitgier handeln, schaden ihrem Geschäft", ist Roddicks Überzeugung - ein lukratives Firmenmotto. Zuletzt zählte die Kette 2085 Läden in 54 Ländern rund um den Globus mit einem Umsatz von 419 Millionen Pfund (603 Millionen Euro). In Deutschland ist das Unternehmen mit rund 90 Geschäften vertreten.

L'Oréal hatte bereits vor einem Monat bekannt gegeben, einen Kauf zu prüfen. Durch den Schritt stärkt der Kosmetikriese auch seine eigene Präsenz im Handel. Als Kaufpreis wurden 652 Millionen Pfund Sterling genannt, umgerechnet etwa 940 Millionen Euro, die aus Barreserven des Konzerns finanziert werden sollen.

Anita Roddick wies Vorwürfe zurück, sie habe mit dem Verkauf an L'Oréal ihre Ziele verraten. Sie werde ihre Beraterrolle behalten und am Ethos des Unternehmens werde sich nichts ändern. Die Übernahme sei "ohne Zweifel das beste Geschenk zum 30. Geburtstag des Body Shops, das wir uns erhoffen konnten", sagte sie.

Die L'Oréal-Aktie kletterte nach Bekanntwerden der Übernahme leicht um 0,5 Prozent auf 75 Euro, die Body-Shop-Aktie machte einen Kurssprung von zehn Prozent auf 296 Pence. L'Oréal will 300 Pence pro Aktie zahlen.

kaz/AFP/AP/dpa



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