Image-Politur Lidl macht auf Bioladen

Wer billig will, geht zum Discounter, wer gesundes Essen will, kauft woanders - gegen diese Faustregel setzt sich Lidl nun zur Wehr. Diese Woche kommen erste Bio-Produkte in die Regale, langfristig sollen gar 20 Prozent des Sortiments aus Öko-Ware bestehen. 


Neckarsulm - Biowurst, Bioschokolade - sogar Biotiefkühlprodukte wird es ab dieser Woche auch beim Discounter Lidl geben. Insgesamt 40 Produkte soll die Reihe "Bioness" umfassen, die ab dieser Woche in Regalen und Tiefkühlboxen zu finden sein wird. Die Waren stammten aus biologischem Anbau und unterlägen strengen Produktionskontrollen, verkündete das Unternehmen. Lidl habe im vergangenen August erstmals während einer Aktionswoche Bioprodukte angeboten und sei damit auf großen Zuspruch gestoßen, erklärte ein Sprecher die Initiative.

Lidl-Logo: Bioessen und fair gehandelter Kaffee gegen das Schmuddel-Image
DDP

Lidl-Logo: Bioessen und fair gehandelter Kaffee gegen das Schmuddel-Image

Im immer härter werdenden Wettbewerb zwischen den Billigheimern ist Lidl nicht das einzige Unternehmen, dass auf den Bio- und Wellnesstrend setzt. So gibt es auch bei Netto und Norma seit Neuestem ökologisch Angebautes. Edeka will den Bio-Bereich sogar weiter ausbauen und bei Plus ging in einigen Filialen wegen der starken Nachfrage zeitweise das "BioBio"-Hackfleisch aus, wie die "Lebensmittelzeitung" berichtete. Sogar Branchendinosaurier Aldi Nord hat Bio-Karotten im Sortiment und auch Aldi Süd denkt dem Blatt zufolge darüber nach, Biomilch und andere Öko-Lebensmittel anzubieten.

Für Lidl scheint der bewusste Schwenk zum Gesunden allerdings auch Teil einer umfassenden Kampagne zur Aufbesserung des angekratzten Images zu sein. Letztes Jahr ließ Greenpeace Obst und Gemüse aus verschiedenen Supermärkten auf Pestizide testen - die Lidl-Ware schnitt fürchterlich ab. Daraufhin brach der Umsatz bei den getesteten Waren um zehn Prozent ein. Hinzu kommen die immer wieder hoch kochenden Vorwürfe gegen die vermeintlich verheerenden Arbeitsbedingungen bei der Supermarktkette, die die Gewerkschaft Ver.di erhoben und in einem Schwarzbuch zusammengefasst hatte.

Um dem Schmuddelimage gegenzusteuern, stellt Lidl deshalb jetzt nicht nur gesundes Essen in die Regale. Sogar fair gehandelte Produkte werden ab Juni angeboten. Unter dem Label "Fairglobe" will die Supermarktkette dann mit dem Segen der Vereinigung TransFair unter anderem Kaffee und Bananen verkaufen, für die den Erzeugern in Lateinamerika ein bestimmter Mindestpreis gezahlt wird.

Transfair - eine Gemeinschaftsorganisation von Unicef, Brot für die Welt und anderen Wohltätigkeitsorganisationen - gestaltet in Kooperation mit dem Discounter auch die Verpackungen des Sortiments und lässt seit dem Beginn der Zusammenarbeit keine Gelegenheit aus, Lidl in höchsten Tönen zu loben. In der Fair-Trade-Gemeinde hat die ungewöhnliche Verbrüderung freilich zu heftigen Diskussionen geführt. "Reine Kosmetik" sei die Einführung von "Fairglobe", schimpfte etwa Bettina Burkert vom Importeur BanaFair, schließlich sei Lidl "Trendsetter beim Sozialdumping".

ase/dpa



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