Image-Sorgen Zeitarbeit soll nicht mehr Zeitarbeit heißen

Die Zeitarbeitsfirmen hoffen auf goldene Zeiten: Die Hartz-Reformen sollen ihre Rolle stärken, für viele Arbeitslose sind sie eine letzte Hoffnung. Mit ihrem Namen indes sind die Unternehmen gar nicht mehr einverstanden.


Frankfurt am Main - Noch heißt der Verband, dem Dieter Paulmann als Vorstand angehört, Initiative Zukunftsvertrag Zeitarbeit. Auch das wird sich wohl bald ändern. Außerdem will die Organisation, in der sich fünf Zeitarbeitsfirmen zusammengeschlossen haben, den Begriff Zeitarbeit und andere offizielle Bezeichnungen aus dem Bürgerlichen Gesetzbuch und dem Betriebsverfassungsgesetz tilgen. Das kündigte Paulmann, der zugleich Chef des Unternehmens Deutscher Industrie Service (DIS) ist, im Gespräch mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" an.

Paulmann will damit offenbar das Image der Branche verbessern. Es sei einfach diskriminierend, urteilte er, wenn ein Mitarbeiter sagen müsse, dass er an ein Unternehmen nur "verliehen" sei.

So wollen sich die Zeitarbeitsfirmen demnächst in "Personalüberlasser" umtaufen. Die Unternehmen, bei denen Beschäftigte auf Zeit arbeiten, hießen dann "Personalübernehmer". Einen besonders griffigen neuen Namen haben sich die Unternehmen für die Zeitarbeitskräfte selbst einfallen lassen: Sie sollen künftig offiziell als "Mitarbeiter einer mobilen Kernbelegschaft" auftreten.

Im Grunde liegt Paulmann mit seinen semantischen Bemühungen im Trend. Auch in den Hartz-Reformvorschlägen ist schließlich von Personal-Service-Agenturen statt von Zeitarbeitsablegern der Arbeitsämter die Rede.

Wie sie ihre Rolle im Rahmen der Hartz-Reformen sehen, wollen die Noch-Zeitarbeitsfirmen am Dienstag öffentlich definieren. Voraussichtlich werden sie dabei den Gewerkschaften einen Schritt entgegenkommen und anbieten, dass die "Mitarbeiter einer mobilen Kernbelegschaft" prinzipiell genauso viel verdienen dürfen wie Festangestellte. Nach dem Willen der Zeitarbeitsunternehmen soll das aber frühestens ab dem sechsten Monat der Fall sein.

Anders als die Umbetitelung wäre das für Zeitarbeiter eine wirkliche Verbesserung: Bisher bekommen sie erst ab dem 13. Monat das branchenübliche, volle Gehalt.



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