Immobilien-AGs Börse im Bau-Fieber

Die Börsengänge von Immobiliengesellschaften häufen sich. Für Anleger kein uninteressantes Investment - sie können auf Kursgewinne spekulieren, wenn die Bundesregierung zum 1. Januar 2007 die sogenannten Reits zulässt.

Von Arne Gottschalck


Hamburg - Norbert Hermann scheint ein Händchen für gutes Timing zu haben. Der Vorstandsvorsitzende bringt seine Firma GWB im Herbst 2006 an die Börse. Die GWB ist ein Unternehmen, das sich auf Einzelhandelsimmobilien spezialisiert hat. Mit dieser Börsenstory will es irgendwann zwischen September und Oktober 40 Millionen Euro für seine Aktien einnehmen. Die Chancen stehen gut, dass dies gelingt.

Denn Börsengänge für Immobiliengesellschaften sind momentan modern. Vor wenigen Tagen verkündete die CWI, Aktien ausgeben zu wollen. Auch die Berliner Gehag und die AVG Immobilien aus Buxtehude haben über einen Börsengang nachgedacht beziehungsweise ihn schon angekündigt. Corpus und Gagfah streben gleichfalls Richtung Börse - alles Immobilienaktiengesellschaften. Das plötzliche Interesse der deutschen Gesellschaften an der Börse kommt nicht von ungefähr.

Denn ab 2007 soll es auch in Deutschlands so genannte Reits geben - Aktiengesellschaften, die steuerlich gefördert werden, solange sie ein Großteil des Gewinns an ihre Anleger ausschütten. Reit ist ein Akronym für Real Estate Investment Trust. Viele Unternehmen versuchen bereits jetzt an die Börse zu gehen - um dann flink zum Reit umzufirmieren.

"Die Gesellschaften können dann voll vom Effekt der Einführung der Reits profitieren", sagt Dieter Thomaschowski von der Agentur Investment Research in Change. Jene Immobilienunternehmen haben dann nämlich bereits mit Einführung der neuen Gesellschaftsform die von Investoren gemeinhin geforderte Geschäftserfahrung. Zugeben will es Hermann für seine GWB indes nicht: "Kurzfristig ist das kein Thema für uns, mittel- bis langfristig ist aber natürlich noch vieles offen."

Die Nachfrage ist da

Auch so ist das Interesse der Anleger schon groß: Die Gesellschaften zahlen regelmäßig vergleichsweise hohe Dividenden. Und das schätzen besonders institutionelle Anleger, die gesetzlichen Auflagen im Bezug auf ihre Mindestrendite genügen müssen. GWB spricht darum aktuell "mit verschiedenen Investoren", so Hermann. Zum Beispiel mit englischen Gesellschaften, die sich bereits in Deutschland mit Einkaufszentren eingedeckt hätten, die Verwaltung der Immobilien aber gerne auf Gesellschaften wie GWB auslagern würden.

Denn gerade unter ausländischen Investoren stehen deutsche Immobilien hoch im Kurs. Billig seinen die Liegenschaften hierzulande, so klingt es von den Angelsachsen. Zumindest, wenn man sie mit den Preisen in Spanien oder Irland vergleicht. Dort sind die Preise für Immobilien in den vergangenen Jahren explodiert. Dementsprechend viel zahlen Anleger dort. Das Zwanzigfache der Jahresmiete wird zum Beispiel beim Kauf von Gewerbeimmobilien in England fällig. In Deutschland liegt der Faktor bei 13.

Die GWB zumindest will die Erlöse aus seinem Börsengang vor allem für den Ausbau des eigenen Portfolios nutzen, aber auch die Verwaltungstätigkeit soll verstärkt werden. "Grundsätzlich ist das Marktumfeld für IPOs noch immer attraktiv - oder plakativer ausgedrückt: besser heute denn übermorgen", erklärt Thomas Beyerle, Researchleiter bei der Degi. Das Timing scheint also tatsächlich zu stimmen.



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