Mieten und Einkommen So viel kostet Wohnen in Ihrer Stadt

Wohnen wird in deutschen Großstädten zum Armutsrisiko. Viele Menschen zahlen mehr als die Hälfte ihres Einkommens für Miete. Diese Grafiken zeigen, wo es am teuersten ist.
München

München

Foto: Joerg Koch/ Getty Images

Wohnen ist Wahlkampfthema: Jede Partei hat irgendein Konzept für bezahlbaren Wohnraum - eine verbesserte Mietpreisbremse, höhere Abschreibungen für Neubauten oder mehr Wohngeld. Ob etwas davon umgesetzt wird, ist unklar. Sicher ist dagegen: Die Preise für Mieten und Eigenheime steigen weiter, vor allem in den Städten.

Die Einkommen in attraktiven Metropolen und Ballungsräumen sind in der Regel auch deutlich höher als in strukturschwachen Regionen, aber die Entwicklungen haben sich abgekoppelt. Während die Kaufkraft nur noch langsam steigt, legen die Wohnkosten stark zu. Für eine Einschätzung, wie teuer das Wohnen ist, hilft also der Vergleich von Einkommen zu Immobilienkosten.

Das Internetportal Immobilienscout24 untersucht seine Wohnungsinserate regelmäßig auf dieses Verhältnis (zur Methode s. Erklärung unter diesem Text). Die Ergebnisse des sogenannten Erschwinglichkeitsindex EIMX, der SPIEGEL ONLINE exklusiv vorliegt, zeigt einmal mehr: Wohnen wird zum Armutsrisiko.

In 36 von 418 deutschen Städten und Landkreisen liegt der Wohnkostenanteil pro Haushalt schon bei durchschnittlich 20 Prozent und mehr. Einschließlich der Nebenkosten von 10 bis 15 Prozent geht in diesen Regionen ein gutes Drittel des Einkommens nur für die Unterkunft drauf. Weil es sich bei den Daten von Immobilienscout24 um Neuvermietungen handelt, gelten die Zahlen natürlich nur für jene, die umziehen wollen oder müssen.

Wer einen alten, günstigen und unbefristeten Mietvertrag oder seine Immobilie in günstigeren Zeiten erworben hat, lebt unter Umständen deutlich günstiger. Wer weniger verdient als der Durchschnitt, zahlt dagegen möglicherweise einen deutlich höheren Anteil seines Einkommens für die Wohnung.

Besonders teuer ist das Wohnen in Süddeutschland. Bayern und Baden-Württemberg liegen auch vorne, wenn man den Anstieg der Kosten zwischen 2013 und 2016 ansieht. Aber auch in mittelgroßen Städten in ganz Deutschland ziehen die Preise an, beispielsweise in Trier, Mainz oder Kiel.

"Uni-Städte landen beim Erschwinglichkeitsindex naturgemäß auf den vorderen Plätzen", sagt Jan Hebecker, Leiter Märkte und Daten bei Immobilienscout24, "allerdings weniger, weil die Mieten so hoch sind, sondern weil das Einkommen von Studenten in der Regel recht niedrig ist." Generell aber, so Hebecker, setzt sich der Trend zu steigenden Wohnkosten fort.

Dort, wo die Wohnkosten mit rund zwölf Prozent des Einkommens relativ niedrig sind, wie in Salzgitter, Zwickau oder Wilhelmshaven, gebe es allerdings auch nicht nur Grund zur Freude. Das seien Städte mit geringer wirtschaftlicher Dynamik und alternder Bevölkerung, in denen es wenige Jobs gibt und in denen viele Ruheständler mit kleinen Renten leben, sagt Hebecker.

Der Index zeigt aber auch, dass Großstädter mit höheren Gehältern nicht immer besser dastehen, als Geringverdiener in ländlichen Regionen. In München hat der Durchschnittshaushalt zwar fast 51.000 Euro jährlich zur Verfügung, in Hamburg fast 44.000 Euro, im sächsischen Plauen sind es nur 37.000 Euro. Allerdings müssen die Plauener im Schnitt nur gut elf Prozent ihres Einkommens für die Wohnung ausgeben.

Hamburger wenden fast ein Viertel für Miete oder Immobilienkredit auf, Münchner zahlen in einigen Stadtteilen inklusive der Nebenkosten weit mehr als die Hälfte für ihre Wohnung. "In den Metropolen sieht man, dass die Teilung der Gesellschaft in Arm und Reich zunimmt. In die Innenstädte ziehen nur noch Menschen, die sich das leisten können", sagt Hebecker. Die Bevölkerung tauscht sich allmählich aus - es bleibt nur, wer einen günstigen, alten, langfristigen Mietvertrag hat.

Lösungen für den Mangel an bezahlbarem Wohnraum sind rar. Wirklich helfen, da ist sich Hebecker sicher, können nur viele neu gebaute Wohnungen. In den Großstädten mit begrenztem Platz hilft die sogenannte Nachverdichtung, die Bebauung von bisher freien Flächen, Ausbau von Dachgeschossen zu Wohnungen, Aufstockung von Mietshäusern - allerdings scheitert das mitunter am Widerstand von Anwohnern oder Eigentümern.

Die teuersten deutschen Städte (2016)

Die günstigsten deutschen Städte (2016)

Die Methode

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.