Immobilienfonds-Krise Anleger haben kaum Anspruch auf Entschädigung

Die meisten Anleger werden für eventuelle Schäden, die sie aus der Schließung der drei offenen Immobilienfonds tragen, keine Entschädigung beanspruchen können, glaubt der Bundesverband der Verbraucherzentralen. Die Vereinigung fordert deshalb schnellstens entsprechende rechtliche Änderungen.


Berlin - 2002 wurden die geltenden Verjährungsfristen radikal von 30 auf 3 Jahre verkürzt. Deshalb könne ein Großteil der Anleger, die in die drei eingefrorenen Immobilienfonds investierten, auch im Fall von hohen Verlusten wahrscheinlich keinen Schadenersatz geltend machen, fürchtet der Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv). Die Anleger könnten nur Entschädigung verlangen, wenn der Kauf der Anteile nicht länger als drei Jahre zurückliegt. Offene Immobilienfonds dienten den meisten jedoch als langfristige Geldanlage, so der vzbv.

Deutsche-Bank-Zentrale: Verbraucherschützer fordern gesetzliche Maßnahmen
DPA

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Durch das geltende Recht "wird Falschberatung oder unterlassene Information des Kapitalmarktes belohnt", empörte sich vzbv-Chefin Edda Müller. Das Missmanagement beim Deutsche-Bank-Fonds Grundbesitz Invest habe deutlich gezeigt, dass die Selbstregulierung gescheitert ist. Müller fordert deshalb längere Verjährungsfristen und neue gesetzliche Regeln für Immobilienfonds. Die inzwischen geschlossenen Fonds seien den Anlegern als sehr sichere Geldanlage und mit dem Hinweis empfohlen worden, dass sie die Fondsanteile jederzeit wieder verkaufen könnten.

Die Krise der Fonds hatte die Deutsche Bank im Dezember ausgelöst, als die Bank-Tochter DB Real Estate ihren offenen Immobilienfonds Grundbesitz Invest bis zu einer Neubewertung vorerst aussetzte. Im Januar wurden dann die Fonds US-Grundinvest und Grundinvest der Investmentgesellschaft KanAm geschlossen.

Sowohl in der Finanzbranche als auch in der Politik bemüht man sich inzwischen, das Vertrauen in diese Form der Anlage wieder zu stärken. In einer ungewöhnlichen Aktion hatten kürzlich sogar Vertreter des Bundesfinanzministeriums, der Bundesbank und der Finanzaufsichtsbehörde BaFin nach einem Treffen mit Spitzenverbänden der Kreditwirtschaft und der Investmentbranche in einer gemeinsamen Erklärung für die Investments geworben. Die offenen Immobilienfonds seien eine "seit mehr als vier Jahrzehnten über alle Marktzyklen hinweg wertstabile Anlage", hieß es darin.

Die Verbraucher zeigen sich dennoch verunsichert. Allein im Dezember des letzten Jahres flossen nach der Schließung des Grundbesitz-Invest-Fonds 3,1 Milliarden Euro ab, davon alleine 1,9 Milliarden Euro aus den beiden offenen Immobilienfonds der DB Real Estate.



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