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02. August 2012, 13:07 Uhr

Teure Häuser und Wohnungen

Immobilienpreise in Großstädten steigen drastisch

Die Zinsen sind niedrig wie nie, viele Anleger flüchten in Immobilien und treiben die Preise in die Höhe. Laut einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft werden Wohnungen und Häuser immer teurer - vor allem in Hamburg und Berlin.

Berlin - Die rekordniedrigen Zinsen machen klassische Geldanlagen für viele Sparer unattraktiv. Gleichzeitig sind Kredite so günstig wie nie - viele Deutsche investieren deshalb seit einigen Jahren in Immobilien. Das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln hat festgestellt, dass die Preise für Eigentumswohnungen in Deutschland zwischen 2003 und 2011 im Schnitt um rund 10,5 Prozent gestiegen sind.

Vor allem in Großstädten aber zogen die Preise deutlich stärker an: In Hamburg kletterten sie innerhalb von acht Jahren um 31 Prozent, in Berlin sogar um 39 Prozent. "Vor allem in Ballungsgebieten steigen die Werte von Wohnungen und Häusern nahezu stetig", teilte das IW mit. Am teuersten ist München - dort kostet eine Eigentumswohnung im Durchschnitt gut 4200 Euro pro Quadratmeter. Dahinter folgen Hamburg (3100 Euro) und Frankfurt (2900 Euro), deutlich günstiger ist Berlin mit bisher noch 2200 Euro im Schnitt.

Keine Immobilienblase in Sicht

Trotz der deutlich anziehenden Preise sieht das IW bundesweit keine Immobilienblase. "Die deutschen Immobilienmärkte sind gesund - trotz aktuell stark steigender Preise" hieß es. Denn die höheren Kosten seien vielmehr Ausdruck großer Nachfrage und ein Zeichen für die Attraktivität von Ballungsgebieten. "Bedenken, es könnte sich wie in den USA, Irland oder Spanien eine Preisblase bilden, sind unberechtigt", schreiben die Forscher.

Von einer Preisblase könne schon deshalb nicht die Rede sein, schreibt das IW, weil eine Blase voraussetze, dass die Investoren glaubten, die Immobilien würden permanent an Wert gewinnen. In dem Fall wetten die Anleger auf einen höheren Wiederverkaufspreis und heizen so die Nachfrage an - die Blase entsteht. Stellen sie fest, dass ihre Erwartungen zu optimistisch waren, kommt es zu einer Welle von Verkäufen - die Spekulationsblase platzt, die Preise purzeln.

Als Begründung gegen eine Immobilienblase führt das IW vier Punkte an:

Die Bundesbürger tilgen offenbar lieber ihre Kredite schneller und sichern sich längerfristig ab. Die Eigenkapitalanteile bei der Finanzierung bleiben konstant, mancherorts steigen sie sogar.

nck

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