Import-Stopp EU-Abgeordnete wettern gegen Chlor-Hühnchen

Die EU-Parlamentarier sind empört über die Pläne der Europäischen Kommission: Die will mit Chlor desinfizierte Hühnchen aus den USA wieder zulassen. Die Abgeordneten riefen nun die Landwirtschaftsminister der EU-Staaten zum Protest auf.


Straßburg - Amerikanische Chlor-Hühnchen bringen das Blut der EU-Parlamentarier zum Kochen: Die Vorschläge der Kommission seien "ein echter Skandal", sagte die SPD-Europaabgeordnete Dagmar Roth-Berendt. In einer Entschließung wandten sich die EU-Abgeordneten gegen die Pläne der EU-Kommission, die mit Chlor desinfizierte Hühnchen aus den USA für den Verzehr in Europa wieder zulassen will.

Hühnchen: In der EU werden sie mit Wasser desinfiziert
DPA

Hühnchen: In der EU werden sie mit Wasser desinfiziert

Das Parlament warnte, dass eine Aufhebung des Importverbots für Chlor-Hühnchen das Vertrauen der europäischen Verbraucher in die Lebensmittelsicherheit zerstöre. Außerdem forderten die Parlamentarier die Landwirtschaftsminister der EU-Staaten auf, sich der Aufhebung des Importverbots zu widersetzen.

Andrea Vassiliou, EU-Kommissarin für Gesundheitsschutz, hatte den geplanten Schritt mit wissenschaftlichen Erkenntnissen gerechtfertigt. Danach wurde in Gutachten die Zulassung von Chlor-Hühnchen unter strengen Auflagen befürwortet. Die Produkte müssten entsprechend gekennzeichnet sein, außerdem wären keine chlordesinfizierten Einzelteile wie Schenkel oder Flügel zugelassen. Gesundheitsschädlich sei der Verzehr der Hühnchen nicht.

In der EU muss das Geflügel nach dem Schlachten in eiskaltes Wasser getaucht werden, um gefährliche Keime abzutöten. Außerdem gibt es eine Reihe von Vorschriften, die Sicherheit und Hygiene entlang der gesamten Lebensmittelkette sicherstellen sollen.

Die EU will das seit 1997 geltende Importverbot für Chlor-Hühnchen abschaffen, nachdem die US-Regierung dies als Bedingung für eine engere allgemeine wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Europa gefordert hatte.

Anfang Juni hatten sich 26 der 27 EU-Länder im Ständigen Ausschuss für Lebensmittel und Tiergesundheit gegen die Aufhebung des Importstopps ausgesprochen. Lediglich Großbritannien enthielt sich der Stimme. Die endgültige Entscheidung liegt nun bei den EU-Landwirtschaftsministern.

cvk/AFP



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