Importverbot EU will Chlor-Hähnchen wieder zulassen - unter Auflagen

Die USA machen Druck, die EU will sich beugen: Sie plant, das Importverbot für mit Chlor behandeltes Hühnchenfleisch abzuschaffen. Allerdings sollen strenge Regeln gelten.


Brüssel - Gesundheitsschädlich sind sie nicht, aber trotzdem stoßen sie beim Verbraucher auf Widerwillen: Die EU-Kommission will mit Chlor desinfizierte Hähnchen aus den USA wieder zum Verkauf zulassen - allerdings nur unter strikten Auflagen. Die Produkte müssten entsprechend gekennzeichnet werden, außerdem wären keine chlordesinfizierten Einzelteile wie Hähnchenschenkel oder -flügel zugelassen, schlug die Kommission am Mittwoch in Brüssel vor.

Die EU will das seit 1997 geltende Importverbot abschaffen, nachdem die US-Regierung dies als Bedingung für eine engere allgemeine wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Europa gefordert hatte. Doch der Vorschlag von EU-Gesundheitskommissarin Androulla Vassiliou dürfte auf Kritik stoßen, denn eine große Mehrheit der EU-Mitgliedsländer kündigte im Agrarrat bereits Widerstand gegen das Ende des Embargos an.

Gegner einer Aufhebung des Verbots - wie etwa Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer (CSU) - argumentieren, dass europäische Verbraucher kein Verständnis für einen Schwenk der EU-Haltung hätten. Die Anpassung der Hygieneregeln unterlaufe EU-Standards, hatte Seehofer noch am Dienstag am Rande eines EU- Agrarrates in Slowenien gesagt.

Die in den USA übliche Desinfektion mit Chlor ist in der EU nicht zugelassen, obwohl sie nach einer aktuellen Einschätzung der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit nicht gesundheitsschädlich sein soll.

Die US-Produzenten dürften über die geplanten Auflagen kaum begeistert sein. Da sie Geflügelbrustfilets vornehmlich am Heimatmarkt absetzen, haben sie großes Interesse am Export der übrig gebliebenen Teile. Die EU würde ihnen vorschreiben, nur eine chemische Substanz zu verwenden und keine Mischung mehrerer Stoffe, wie es in den USA üblich ist. Anders als bisher müssten die US-Geflügelfarmer das Fleisch nach der chemischen Desinfektion mit Trinkwasser reinigen. Auch wären die Hersteller verpflichtet, Daten zu sammeln und alle zwei Jahre an die Behörden zur Lebensmittelüberwachung weiterzugeben.

sam/Reuters/dpa



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