Indien Fünf Software-Firmen schaffen 100.000 neue Jobs

Die Software-Branche wächst in Indien rasant: Jahr für Jahr entstehen Zehntausende neue Arbeitsplätze, vor allem wegen der Verlagerung von Jobs aus dem Westen. Doch nun wandern indische Firmen selbst ab - in richtige Billiglohnländer.


Neu-Delhi - Einhunderttausend: Das ist die Zahl der neuen Jobs, die Indiens fünf größten Software-Unternehmen in diesem Jahr schaffen möchten. Erst im vergangenen Jahr hatten die Firmen 76.500 Menschen neu eingestellt.

Computermesse in Bangalore: Äußerst erfolgreiches Outsourcing-Geschäft
DPA

Computermesse in Bangalore: Äußerst erfolgreiches Outsourcing-Geschäft

Die Zahlen untermauern, wie schnell amerikanische und europäische Unternehmen Arbeitsplätze in das Niedriglohnland Indien verlagern. Längst betrifft das Outsourcing nicht mehr nur Callcenter oder die Buchhaltung. Auch hochqualifizierte Stellen im IT-Bereich wandern aus dem Westen nach Indien ab. Firmen wie Tata Consultancy oder Infosys Technologies haben bereits Tausende Fachkräfte, die Unternehmenssoftware für Externe entwickeln. Und trotz steigender Gehälter wachsen die Gewinne der Inder stetig.

Der Nettoüberschuss der fünf größten Outsourcing-Firmen ist im vergangenen Geschäftsjahr um 47 Prozent auf drei Milliarden US-Dollar gestiegen. Die Umsätze stiegen um 41 Prozent auf 13,6 Milliarden Dollar. Zu den Top fünf gehören neben Tata Consultancy und Infosys auch Wipro, Satyam Computer Services und HCL Technologies. Allein die ersten vier Unternehmen konnten im vergangenen Jahr 713 neue Kunden gewinnen, für HCL Technologies lagen noch keine Zahlen vor.

"Wir sehen ein robustes Wachstum", sagt Nandan Nilekani, der Chef von Infosys. Seine Zuversicht hat einen Grund: das äußerst erfolgreiche Outsourcing-Geschäft. Denn westliche Unternehmen werden weiterhin Jobs nach Indien verlagern, solange sie dort die gleiche Arbeit für weniger Geld bekommen.

Großaufträge über mehrere Jahre

Die Inder aber drehen den Spieß nun um. Sie errichten ihrerseits Standorte in anderen Billiglohnländern, zum Beispiel in Vietnam oder Rumänien. Mit Hilfe dieser Dependancen können sie trotz der steigenden Gehälter zu Hause wettbewerbsfähig bleiben. Im Ergebnis stellen indische Firmen immer mehr Leute in anderen Ländern ein. Fast zehn Prozent der Beschäftigten von Tata Consultancy stammen bereits aus anderen Staaten.

Auch das Portfolio der Outsourcing-Aktivitäten hat sich geändert. Inzwischen geht es immer häufiger um hochwertige Dienstleistungen, für die die indischen Unternehmen relativ hohe Preise verlangen können. So hat Tata Consultancy im vergangenen Jahr schon mehr als 250 Millionen Dollar mit IT-Dienstleistungen eingenommen. Auch HCL Technologies teilt mit, dass es dank seiner Spezialisierung auf Infrastrukturdienste mehrere große Aufträge an Land ziehen konnte, die gleich über mehrere Jahre laufen. Zu den Diensten gehören zum Beispiel die Installation von Software oder die Überwachung der Netzsicherheit. "Die Größe der Aufträge nimmt zu", sagt Ashwin Mehta, Analyst beim Bankhaus Ambit Capital.

Neben den zahlreichen einheimischen Dienstleistern lassen sich auch immer mehr westliche Firmen direkt in Indien nieder. IBM, Accenture oder EDS bauen ihre Außenstellen auf dem Subkontinent rapide aus. Zehntausende Arbeitsstellen sind in dem Land auf diese Weise entstanden.

Was für die indische Wirtschaft ein großer Gewinn ist, bleibt für Europa und die USA ein zweischneidiges Schwert. So steigen zwar die Gewinne der westlichen Unternehmen, die in Indien aktiv sind - allerdings zu Lasten der hiesigen Mitarbeiter. Einem Bericht des Internationalen Währungsfonds zufolge ist der Anteil der Arbeitnehmer an der gesamten Wirtschaftsleistung der reichen Länder in den letzten zwanzig Jahren gesunken - zum einen wegen des technologischen Fortschritts, zum anderen aber wegen der Verlagerung von Arbeitsplätzen in andere Länder.

wal/AP



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