Indien Millionen Arme hoffen auf Wohlstand


Gemeinsam mit China gehört Indien zu den wenigen Lichtblicken in Asiens Wirtschaft: Laut Prognose der Asiatischen Entwicklungsbank (ADB) wird das indische Bruttoinlandsprodukt dieses Jahr immerhin um fünf Prozent zulegen. Verglichen mit den Vorjahren ist das allerdings ein starker Dämpfer - gegenüber 2007 hat sich die Wachstumsrate fast halbiert.

Die Entwicklungsbank sieht Indiens Wirtschaftspolitiker angesichts der globalen Konjunkturkrise vor großen Herausforderungen: Die Zurückhaltung privater Investoren und ein Rückgang der Exporte verhindern größere Wachstumsschritte. Der wirtschaftspolitische Spielraum sei zudem begrenzt. Der Grund: Durch die Exportschwäche sind die Devisenreserven geschrumpft, außerdem haben Konjunkturhilfen und Subventionen die Rupie entwertet.

Dabei hätte Indien weitere Investitionen dringend nötig. Im Vergleich zu den reichen Küstenprovinzen des Boom-Nachbarn China ist Indiens Infrastruktur vielerorts noch rückständig: Schlechte Straßen, marode Bausubstanz und schwierige hygienische Verhältnisse prägen weite Bereiche auf dem Land und in den Großstädten. Die Industrie befindet sich größtenteils noch im Aufbau.

Viele arbeiten in schwachen Sektoren

Ein weiteres Problem: Nach wie vor arbeitet etwa die Hälfte der Inder in der Landwirtschaft. Deren Anteil an der Wirtschaftsleistung ist aber relativ gering und sinkt seit Jahren kontinuierlich. Das Land muss deshalb deutlich mehr Menschen in wachstumsstarken Branchen - vor allem im Dienstleistungssektor - einsetzen. Das geht nur mit hohen Investitionen in die Bildung. Zwar machen jetzt schon zahlreiche indische Software-Schmieden dem Westen Konkurrenz. Gemessen an der Milliardenbevölkerung ist das aber zu wenig.

Noch lebt fast ein Drittel der Inder unterhalb der Armutsgrenze. Aufgrund des schwächeren Wachstums müssen sie jetzt länger auf ihren sozialen Aufstieg warten. Gleichzeitig leben in Indien weltweit die meisten Milliardäre und Millionäre. Krasse Gegensätze werden das Land auch weiterhin prägen.

maf



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