Indischer Milliardär Airbus für die Frau, Wolkenkratzer für die Familie

Der Größte, der Reichste, der Beste: Der indische Industrielle Mukesh Ambani spricht gern in Superlativen. Seiner Frau schenkte er zum Geburtstag einen Airbus, derzeit lässt er in Bombay eine Wolkenkratzer-Residenz bauen. Jetzt hat er beste Chancen, der reichste Mensch der Welt zu werden.

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Hamburg - Mukesh Ambani kann seinen Vater Dhirubhai nicht genug loben. Er sei ein "außergewöhnlicher Mensch und einer der herausragenden Wirtschaftsführer gewesen, die die Welt je gesehen hat", sagt er bei öffentlichen Auftritten und nennt ihn "meinen Mentor, meinen Guru". Er sei "ein Mann, der seiner Zeit weit voraus war". Wenn man Ambani so über den 2002 gestorbenen Gründer der Firma Reliance reden hört, weiß man nicht, ob der Mann größenwahnsinnig oder einfach nur respektvoll ist.

Großindustrieller Ambani: Mutige Investitionen, Riesengewinne an der Börse
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Großindustrieller Ambani: Mutige Investitionen, Riesengewinne an der Börse

Fragt man Mitarbeiter von Reliance, dem größten indischen Privatunternehmen, nach Dhirubhai Ambani, äußern die sich ähnlich ehrfurchtsvoll. In der Eingangshalle der Reliance-Ölraffinerie in Jamnagar, im nordwestindischen Bundesstaat Gujarat, steht eine mehrere Meter hohe Statue des Konzerngründers. Die Mitarbeiter verneigen sich morgens auf dem Weg in ihre Büros vor der Figur. Auf der Homepage des Industrie- und Handelskonzerns heißt es, Ambani habe sich "getraut, in Maßstäben zu träumen, die in der indischen Industrie bis dahin unbekannt waren". Sein Leben und seine Leistungen würden beweisen, dass Menschen "das Unmögliche möglich machen können, wenn Vertrauen, Mut und Überzeugung vorhanden sind".

Dhirubhai Ambani hat es der Legende nach vom Tankwart zum Großindustriellen geschafft: 1972 gründete er die Firma Reliance, zehn Jahre später ging sie an die Börse in Bombay, heute zählt Reliance Industries rund 25.000 Mitarbeiter, macht 25 Milliarden Dollar Umsatz und knapp drei Milliarden Dollar Jahresgewinn. Ölförderung und -verarbeitung sind das Hauptgeschäft, in Jamnagar, Nordwestindien, betreibt der Konzern die größte und modernste Ölraffinerie der Welt. Reliance ist nach eigenen Angaben aber auch weltgrößter Hersteller von Polyester, in Deutschland hat das Unternehmen seit der Übernahme von Trevira einen Produktionsstandort.

Ambanis Vermögen wächst um 70.000 Euro pro Minute

Mukesh Ambani hat innerhalb weniger Jahre das Erbe seines Vaters rasant vermehrt. 1980 trat er nach einem Studium an der US-Universität Stanford in den väterlichen Betrieb ein, seit Ende der neunziger Jahre ist Reliance ein Fortune-500-Unternehmen. Ambanis Vermögen beläuft sich inzwischen auf knapp 50 Milliarden Dollar. Im vergangenen Jahr gingen Schätzungen noch von unter 25 Milliarden Dollar aus, aber der Boom an der indischen Börse und eine Kursverdoppelung der Reliance-Aktie haben aus dem 50-jährigen Geschäftsmann den ersten Rupien-Billionär in der Geschichte Indiens gemacht. Bescheidenheit ist da schnell vergessen.

Hielt sich Ambani in den vergangenen Jahren wie sein Vater mit dem Zurschaustellen seines Reichtums aus Sorge vor dem indischen Fiskus zurück, so hat er diese Zurückhaltung jetzt aufgegeben. Experten rechnen mit einem weiteren Boom der indischen Börse - Ambani dürfte damit bald der reichste Mensch der Erde sein. Die "Times of India" rechnet vor, sein Vermögen wachse um 70.000 Euro pro Minute - gut 100 Millionen Euro pro Tag.

Beigetragen hat dazu wohl auch Ambanis mutige Investitionspolitik. Er arbeitet derzeit an einer Sonderwirtschaftszone nahe Bombay, betätigt sich dort als Stadtentwickler. Reliance Industries will sich zudem künftig auch im Banken- und Finanzsektor engagieren.

Ambanis nächstes Projekt ist aber der Aufbau einer Einzelhandelskette, die Lebensmittel aus eigener Landwirtschaft bezieht. Ambani nennt das Modell "farm to fork", quasi vom Acker bis auf den Teller. Damit, betont Ambani regelmäßig, werde die höchste Qualität der Produkte gewährleistet, weil alles von Reliance kontrolliert werde. Zudem würden Einzelhandel und Landwirtschaft modernisiert. Einzelhändler und Landwirte in Indien protestieren - sie sehen ihre Existenz gefährdet.

Manche "Reliance Fresh"-Märkte haben trotzdem schon eröffnet, rund 100 plant Ambani im Großraum Neu-Delhi, insgesamt 1500 in Indien. Darüber hinaus will Ambani bis 2010 rund 20 Milliarden Dollar in ein neues petrochemisches Werk, in eine Erweiterung der Raffinerie in Jamnagar und in neue Öl- und Gasleitungen im ganzen Land investieren und etwa 500.000 neue Mitarbeiter einstellen. Bei indischen Jugendlichen ist Reliance ein Traumarbeitgeber, etwa eine halbe Million Bewerbungen erreichen das Unternehmen jährlich.



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