Knappe Rohstoffe Indonesien stoppt Palmöl-Export – und treibt Preise für Speiseöl

Um die Knappheit im eigenen Land zu bekämpfen, erlässt Indonesien ein Exportverbot für einen seiner wichtigsten Rohstoffe. Ein Schritt, der die Speiseöl-Preise auf dem Weltmarkt weiter steigen lassen könnte.
Palmöl-Früchte in Tamiang, Indonesien

Palmöl-Früchte in Tamiang, Indonesien

Foto: Hotli Simanjuntak/ dpa

Wenn die Preise für Speiseöl in den kommenden Wochen noch stärker steigen als bisher, könnte das auch an Indonesien liegen. Grund: Durch einen Exportstopp für Palmöl, den der Inselstaat als weltgrößter Produzent erlassen hat, um die Knappheit im eigenen Land zu bekämpfen und die Versorgung seiner Bevölkerung zu sichern, steuerten verschiedene Börsenkurse für Speiseöle am Montag Höchststände an. Angesichts geringer Bestände war der Speiseölpreis in Indonesien in den vergangenen Monaten ohnehin schon stark gestiegen. Dies hatte Proteste ausgelöst, die drohten, den rund 270 Millionen Einwohner zählenden Staat zu destabilisieren.

Palmöl wird vor allem in Asien zum Frittieren und Braten verwendet. Es findet sich aber auch in zahlreichen Nahrungsmitteln, zum Beispiel in Margarine, Schokolade, kakaohaltigen Brotaufstrichen, Eiscreme, Backwaren, Pizzen und anderen Fertigprodukten. Auch Waschmittel, Seifen, Kosmetika, Kerzen und Schmierstoffe haben einen hohen Palmöl-Anteil.

Die Entscheidung des südostasiatischen Indonesien beeinträchtige »nicht nur die Verfügbarkeit von Palmöl allein«, sagte Rohstoff-Experte James Fry von der Beratungsfirma LMC International. Derzeit gebe es zahlreiche Angebotsengpässe bei Soja-, Raps- und Sonnenblumenöl. Unter anderem der Krieg in der Ukraine trieb die Preise für Speiseöl in den vergangenen sechs Monaten um rund 50 Prozent in die Höhe. Eine Entwicklung, die der Exportstopp weiter befeuern könnte.

Ausfuhrverbot ab Donnerstag

Palmöl ist das mit Abstand meistgenutzte Pflanzenfett der Welt und Indonesien sein wichtigster Exporteur. Malaysia als Nummer zwei könne diese Ausfälle nicht ausgleichen, sagte Atul Chaturvedi, Chef des indischen Handelsverbandes SEA. Indonesien lieferte dem weltgrößten Pflanzenöl-Verbraucher Indien bisher die Hälfte dessen Palmöl-Bedarfs, für Pakistan und Bangladesch lag die Quote bei jeweils knapp 80 Prozent.

Damit ist es nun vorerst vorbei: Das Ausfuhrverbot solle am kommenden Donnerstag in Kraft treten, kündigte Präsident Joko Widodo Ende vergangener Woche an. Erst wenn sich der Markt im Land stabilisiert habe und Speiseöl wieder zu erschwinglichen Preisen verfügbar sei, werde er die Entscheidung neu bewerten.

rai/dpa
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