Indonesischer "Playboy" Chefredakteur drohen zwei Jahre Haft

Der Chefredakteur des indonesischen "Playboy" soll ins Gefängnis, weil er laut Anklage unsittliche Bilder gedruckt hat - im Westen würden sie nicht mal als Erotik gelten. Die Staatsanwältin fordert zwei Jahre Haft, Islamisten verlangen die Todesstrafe.


Jakarta - "Die Bilder, die der Angeklagte aussuchte, waren ungehörig für eine Veröffentlichung, weil sie den Anstand verletzten und Begierde weckten", erklärte die Anklägerin vor Gericht. Ihr Plädoyer war begleitet von lautstarken Protesten rund 100 radikaler Islamisten, die den Prozess vom ersten Tag an verfolgt hatten: "Hängt ihn, hängt ihn", riefen sie.

Unter den Demonstranten im Gerichtssaal war auch der spirituelle Führer der Terrorgruppe Jemaah Islamiyah, Abu Bakar Ba'asyir. "Die Forderung der Staatsanwaltschaft ist dem Schaden, den der Playboy angerichtet hat, nicht angemessen. Wir verlangen von den Richtern, dass sie eine härtere Strafe verhängen", erklärte er nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Antara später vor dem Gerichtsgebäude. Ba'asyir hatte wegen seiner Verwicklung in den Terroranschlag 2002 auf Bali, bei dem mehr als 200 Menschen ums Leben kamen, 26 Monate in Haft gesessen. Das Urteil wurde später aufgehoben.

Die Höchststrafe, die dem "Playboy"-Chefredakteur Erwin Arnada nun droht, beträgt zwei Jahre und acht Monate. Dabei zeigt der indonesische "Playboy" keine Bilder von nackten Models und auch ansonsten weniger nacktes Fleisch als viele andere Publikationen im Land.

Dennoch gab es schon heftige Proteste vor dem Büro in Jakarta, als die indonesische Ausgabe der weltbekannten Nackedei-Zeitschrift im April vergangenen Jahres erstmals erschien. Arnada wurde vor Gericht gestellt, der Anklageschrift zufolge, weil er Fotoaufnahmen mit wenig bekleideten Models beaufsichtigt und Fotos von Frauen mit teilweise entblößtem Busen ausgewählt hat. Das Magazin verlegte sein Büro inzwischen auf die überwiegend hinduistische Insel Bali. Die Zeitschrift erscheint weiter und ist nicht verboten.

ase/AP/reuters



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