Minus von 7,7 Prozent Industrieaufträge brechen überraschend stark ein

Weniger Großaufträge zum Beispiel für Flugzeuge, Schiffe oder Züge – das verarbeitende Gewerbe in Deutschland verzeichnet bei Aufträgen ein deutliches Minus. Im Vergleich zum Vorjahr geht es dennoch bergauf.
Die Industrieaufträge sind eingebrochen (Symbolbild)

Die Industrieaufträge sind eingebrochen (Symbolbild)

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Klaus W. Schmidt / imago images

Nach einem kräftigen Auftragsplus in den Vormonaten hat der August für die deutsche Industrie einen Dämpfer gebracht. Beim Auftragseingang verzeichnete das verarbeitende Gewerbe ein Minus von 7,7 Prozent zum Juli 2021, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Das war der größte Rückgang seit April 2020, zu Beginn der Coronakrise. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen hatten lediglich mit einem Rückgang von 2,1 Prozent gerechnet.

Die Wiesbadener Behörde erklärte den deutlichen Rückgang damit, dass anders als im Juli und Juni des laufenden Jahres weniger Großaufträge zum Beispiel für Flugzeuge, Schiffe oder Züge eingingen. »Es gab für einen August zwar überdurchschnittlich viele Großaufträge, aber weniger als in den Vormonaten«, erklärte ein Statistiker.

Aber auch ohne Berücksichtigung der schwankungsanfälligen Großaufträge gingen die Auftragseingänge im Monatsvergleich um 5,1 Prozent zurück. Besonders stark rückläufig waren den Angaben zufolge die Bestellungen in der Automobilindustrie. Vielen Herstellern machen Lieferengpässe bei wichtigen Teilen und Rohstoffen zu schaffen: Die Bestellungen im Bereich Kraftwagen und Kraftwagenteilen sanken nach Berechnungen des Bundesamts im August um zwölf Prozent, in der Metallerzeugung und -bearbeitung gab es Rückgänge von 9,6 Prozent.

Materialmangel bremst

»Der satte Rückgang bei den Auftragseingängen zeigt, der Materialmangel bremst auch die Auftragseingänge kräftig. Wenn ohnehin klar ist, dass nicht geliefert werden kann, bestellen viele Unternehmen erst gar nicht«, sagte der Chefvolkswirt der VP Bank, Thomas Gitzel. »Der Mangel an Vorprodukten ist also gegenwärtig ein durchaus ernst zu nehmendes kurzfristiges Konjunkturrisiko.«

Im Vergleich zum besonders von der Coronakrise betroffenen August 2020 lagen die Bestellungen in der deutschen Industrie um 11,7 Prozent höher.

Die Werte für Juli fielen nach einer Neuberechnung noch besser aus als zunächst vom Bundesamt angegeben: Von Juni auf Juli 2021 betrug das Auftragsplus 4,9 Prozent statt 3,4 Prozent. Im Vergleich zum Juli 2020 ergab sich nun ein Plus von 26,1 Prozent statt 24,4 Prozent. Die Abweichung zum vorläufigen Juli-Ergebnis resultierte aus Nachmeldungen von Großaufträgen bei der Herstellung von Metallerzeugnissen, im Maschinenbau und sonstigen Fahrzeugbau.

hba/dpa/Reuters
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