Nachschubprobleme Deutsche Produktion sinkt überraschend

Die Auftragsbücher der deutschen Industriebetriebe sind prall gefüllt. Und trotzdem laufen die Maschinen nur mit gebremstem Tempo, weil wichtige Rohstoffe fehlen.
Stahlproduktion: Industrieproduktion allein schrumpfte um 0,9 Prozent

Stahlproduktion: Industrieproduktion allein schrumpfte um 0,9 Prozent

Foto: Kay Nietfeld / dpa

Die deutsche Wirtschaft hat ihre Produktion im Juni wegen Engpässen bei einigen Vorprodukten erneut drosseln müssen. Industrie, Bau und Energieversorger stellten zusammen 1,3 Prozent weniger her als im Vormonat, wie das Bundeswirtschaftsministerium am Freitag mitteilte. Dies war bereits der fünfte Rückgang in diesem Jahr, nur im März hatte es ein Wachstum gegeben. Der Rückschlag kommt überraschend: Von Reuters befragte Ökonomen hatten diesmal mit einem Plus von 0,5 Prozent gerechnet. Im Mai gab es ein Minus von revidiert 0,8 Prozent.

»Maßgeblich waren Versorgungsengpässe bei Halbleitern vor allem im Automobilbereich, die auch aktuell noch Probleme bereiten«, schrieb das Ministerium. »Im Baugewerbe ging die Bremswirkung von einer Knappheit von Bauholz aus, die allerdings bald überwunden sein könnte.« Die Industrieproduktion allein schrumpfte diesmal um 0,9 Prozent. Am Bau gab es einen Rückgang von 2,6 Prozent, die Energieerzeugung sank um 0,6 Prozent. Im Vergleich zum Februar 2020, dem Monat vor dem Beginn der Corona-Einschränkungen, lag die gesamte Produktion um 6,8 Prozent niedriger.

Die Industrie hat derzeit dick gefüllte Auftragsbücher. Allein im Juni legten die Bestellungen mit 4,1 Prozent zum Vormonat so kräftig zu wie seit zehn Monaten nicht mehr. In der gesamten Industrie geben fast zwei Drittel der Unternehmen an, dass ihnen Engpässe zu schaffen machen, wie das Ifo-Institut in seiner Firmenumfrage herausfand.

Die deutsche Industrie hat daher ihre Produktionserwartungen etwas gesenkt. Das entsprechende Barometer fiel im Juli um 5 auf 22 Punkte, wie das Ifo-Institut ermittelte. Das ist aber noch immer ein sehr hoher Wert im langjährigen Vergleich. »Hoffnung bleibt derweil, dass sich die Situation zumindest im vierten Quartal 2021 etwas entspannen wird«, schreibt Thomas Gitzel von der VP-Bank in einer Kurzanalyse. »Kommt der Materialfluss wieder ins Laufen, wird die Industrieproduktion ihre Scharte auswetzen können.« Ob es bis zum Jahresende tatsächlich so weit komme, sei allerdings noch längst nicht sicher.

mik/Reuters
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