Industrie-Umfrage Unternehmen leiden massenhaft unter Kreditklemme

Die Banken bekommen Milliardenhilfen vom Staat - und sind trotzdem zu restriktiv bei der Kreditvergabe, beklagt jetzt die Industrie. Einer Umfrage zufolge hat jedes dritte deutsche Unternehmen deshalb Finanzierungsprobleme, Manager warnen: Auch gesunde Firmen sind in Gefahr.

Hamburg - Deutsche Unternehmen leiden zunehmend unter der Kreditzurückhaltung der Banken. Das berichtet die "Bild"-Zeitung mit Verweis auf eine Umfrage des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI).

Demnach klagt ein Drittel der Unternehmen über Schwierigkeiten, neue Kredite zu bekommen oder laufende Kredite zu verlängern. "Eine Finanzklemme im Unternehmenssektor wird immer wahrscheinlicher. Sie ist in vielen Fällen bereits Realität", wird der BDI zitiert. Auch die Konditionen für die Kreditvergabe verschlechterten sich zusehends. Mehr als zwei Drittel der Unternehmen klagen laut Umfrage über gestiegene Zinsen.

Viele Firmen seien gezwungen, erhöhte Kreditsicherheiten zu stellen. Die größten Probleme mit der Kreditversorgung hätten die Autoindustrie, die Stahl- und Metallverarbeitung, die Papierindustrie, der Maschinenbau, die Bauwirtschaft, die Keramikindustrie und der Schiffbau.

Schon BASF-Chef Jürgen Hambrecht hatte in der "Welt am Sonntag" beklagt, bei größeren Krediten ab 80 Millionen Euro sowie bei mittel- und langfristigen Finanzierungen werde es richtig problematisch. Es gebe da derzeit kaum Finanzierungsmöglichkeiten, sagte er und kritisierte die Banken: "Es kann nicht sein, dass sich die Banken in dieser Phase erst einmal selbst sanieren durch Rettungsbürgschaften, Rettungsdarlehen oder die Leitzinssenkungen der Europäischen Zentralbank." Banken dürften nicht vorrangig ihre eigenen Kassen auffüllen, statt ausreichend Geld an ihre Kunden in der Wirtschaft auszuleihen: "Das verschärft die Kreditklemme und bringt selbst gesunde Unternehmen in Bedrängnis", warnte der Chef des weltweit größten Chemiekonzerns.

Forderung nach Hilfsmilliarden für Stahl- und Metallbranche

Auch andere Branchen beklagen sich über die Folgen der Finanzkrise. Der Wirtschaftsverband Stahl- und Metallverarbeitung (WSM) hat sich bereits in einem Brief an Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) und mehrere Länderwirtschaftsminister gewandt. "Aufträge sind in relevantem Umfang in dramatisch kurzer Zeit weggebrochen", sagte WSM-Präsident Ulrich Galladé dem "Handelsblatt". Die Mittel der staatlichen Förderbank KfW für den Mittelstand sollten auf kurzfristige Betriebsmittelkredite ausgeweitet werden, damit die Unternehmen Liquiditätsengpässe überbrücken könnten.

Das KfW-Programm stellt Bürgschaften über insgesamt 15 Milliarden Euro für den Mittelstand bereit. Das ist Bestandteil des gerade verabschiedeten Konjunkturpakets. Es soll dem Mittelstand Investitionen ermöglichen und nicht in erster Linie Liquiditätsengpässe überbrücken. Der WSM vertritt 4600 überwiegend familiengeführte Betriebe mit 440.000 Beschäftigten, von denen viele unter der Krise der Automobilindustrie leiden.

cte/AP/ddp
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