Industrieproduktion in Deutschland "Der konjunkturelle Tiefpunkt ist damit erreicht"

Geschlossene Fabriken, unterbrochene Lieferketten, fehlende Nachfrage: Die deutschen Unternehmen haben ihre Produktion im April wegen der Coronakrise so stark gedrosselt wie noch nie.
Triebwerksproduktion bei MTU in München: Miese Aussichten für das Gesamtquartal

Triebwerksproduktion bei MTU in München: Miese Aussichten für das Gesamtquartal

Foto: imagebroker/ imago images

Industrie, Bau und Energieversorger stellten zusammen 17,9 Prozent weniger her als im Vormonat, wie das Statistische Bundesamt am Montag mitteilte. Das Minus fiel damit doppelt so stark aus wie im März, weil vor allem die Autoindustrie mit Minus 74,6 Prozent massive Produktionseinbrüche verzeichnete. "Der konjunkturelle Tiefpunkt ist damit erreicht", kommentierte das Bundeswirtschaftsministerium die Zahlen. "Mit der schrittweisen Lockerungen der Schutzmaßnahmen und der Wiederaufnahme der Produktion in der Automobilindustrie setzt nun die wirtschaftliche Erholung ein."

Der Weg dürfte aber steinig werden. Der exportabhängigen Industrie brachen die Aufträge im April in Rekordtempo weg: Sie fielen um 25,8 Prozent niedriger aus als im März. Die Industriebetriebe erwarten daher für die kommenden drei Monate einen weiteren Rückgang ihrer Produktion, der allerdings nicht mehr so stark ausfallen dürfte. Das entsprechende Barometer der Produktionserwartungen stieg im Mai auf minus 20,4 von minus 51,0 Punkten im April, wie das Münchner Ifo-Institut unter Berufung auf eine Firmenumfrage mitteilte. Das sei zwar der größte Anstieg seit der Wiedervereinigung. "Aber das bedeutet nur, dass der Sturzflug nun flacher wird", erläuterte Ifo-Experte Klaus Wohlrabe.

So extrem, wie seit dem Krieg nicht mehr

Experten erwarten denn auch, dass das Bruttoinlandsprodukt im laufenden zweiten Quartal so stark einbrechen wird wie noch nie in der Geschichte der Bundesrepublik. Die Commerzbank rechnet zwar damit, dass die Produktion im Mai bereits merklich zugelegt haben dürfte. "Dies würde aber kaum etwas daran ändern, dass das reale Bruttoinlandsprodukt im zweiten Quartal mit einer zweistelligen Rate sinken wird", sagte Commerzbank-Ökonom Ralph Solveen.

Das schätzt der Chefvolkswirt der VP Bank, Thomas Gitzel, ähnlich ein. "Das deutsche Bruttoinlandsprodukt wird im zweiten Quartal vermutlich um mehr als zehn Prozent schrumpfen", betonte er. "Für Friedenszeiten ein zuvor noch nie gemessener Wert."

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Von Januar bis März war die Wirtschaft um vergleichsweise milde 2,2 Prozent geschrumpft, weil die Geschäfte im Januar und Februar noch nicht so stark einbrachen. Aber auch das war der zweitstärkste Rückgang seit der Wiedervereinigung. Nur während der Finanzkrise Anfang 2009 war er mit 4,7 Prozent noch stärker.

Die Bundesregierung hat aktuell ein 130 Milliarden Euro großes Konjunkturpaket geschnürt, um der Wirtschaft auf die Beine zu helfen. Es sieht beispielsweise eine Senkung der Mehrwertsteuer im zweiten Halbjahr 2020 von 19 auf 16 Prozent vor, um die Binnennachfrage anzukurbeln.

 

 

mik/Reuters
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