Infineon Verdacht auf Insiderhandel


Auf seiner Roadshow vergangene Woche mühte sich Infineon-Chef Ulrich Schumacher, institutionelle Anleger zum Zeichnen von 60 Millionen neuen Aktien zu bewegen. Dabei hat er es nicht leicht, die Investoren zu überzeugen. Die Firma leidet erheblich ­ vor allem am Glaubwürdigkeitsverlust des Vorsitzenden.

Der Infineon-Kurs war abgesackt, als Schumacher am 20. Juni einen voraussichtlichen Verlust von über einer Milliarde Mark für das dritte Quartal meldete; der Kurs fiel weiter, als kurz darauf weitere Details einer seit längerem geplanten Kapitalerhöhung durchsickerten. Nahezu alle Analysten ­ von der Deutschen Bank bis Lehman Brothers ­ haben Infineon heruntergestuft. Sie erwarten nicht vor Mitte nächsten Jahres eine Erholung des Chip-Marktes, und bis dahin dürfte auch der Infineon-Kurs nicht mehr allzu stark steigen.

Unter zusätzlichen Druck gerät die Firma nun durch Prüfungen des Bundesaufsichtsamts für den Wertpapierhandel: Die Aufseher gehen dem Verdacht nach, ob Insider vorab über die Gewinnwarnung informiert waren und am Vortag Aktien abgestoßen haben. Das Amt untersucht auch Vorgänge in dem Zeitraum zwischen dem 21. und 24. Mai. Bereits am 21. und 22. Mai hatte Schumacher gegenüber ausgewählten Analysten angedeutet, dass der Konzern im dritten Quartal einen Verlust erwarte. Am 23. Mai hatte der Infineon-Chef seine Gewinnwarnung auf einer Technologiekonferenz in Barcelona wiederholt. Doch das Unternehmen gab immer noch keine Ad-hoc-Meldung heraus, um die Öffentlichkeit zu informieren. Stattdessen meldeten mehrere Presseagenturen den Gewinneinbruch. Am nächsten Tag war Christi Himmelfahrt, ein bundesweiter Feiertag, an dem keine Zeitungen erschienen. Kleinanleger konnten somit frühestens am Freitag reagieren ­ zwei Tage später als Großanleger mit Zugang zu aktuellen Nachrichtenquellen.



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