Teuerungsrate EZB-Direktorin Schnabel erwartet schnelle Trendwende bei der Inflation

Zuletzt erreichte die Inflation den höchsten Wert seit 28 Jahren – und im November wird ein noch drastischerer Preissprung erwartet. Kurz vor der Veröffentlichung der neuesten Zahlen mahnt die EZB aber zur Gelassenheit.
Die EZB-Direktorin Isabel Schnabel: Der Höhepunkt des Inflationstrends soll im November erreicht sein

Die EZB-Direktorin Isabel Schnabel: Der Höhepunkt des Inflationstrends soll im November erreicht sein

Foto: Ralph Orlowski / REUTERS

Der kräftige Anstieg der Teuerungsraten dürfte nach Einschätzung der Europäischen Zentralbank (EZB) bald beendet sein. »Wir gehen davon aus, dass im November der Höhepunkt der Inflationsentwicklung erreicht ist und dass die Inflation im kommenden Jahr wieder allmählich zurückgehen wird, und zwar in Richtung unseres Inflationsziels von zwei Prozent«, sagte EZB-Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel im ZDF. »Und tatsächlich gehen die meisten Prognosen sogar davon aus, dass die Inflation unter diese zwei Prozent fallen wird. Und insofern kann man eigentlich keine Hinweise darauf sehen, dass die Inflation außer Kontrolle gerät.«

Die Teuerungsraten klettern seit Monaten sowohl in Deutschland als auch im Euroraum insgesamt, steigende Öl- und Spritpreise hatten die Teuerungsrate im Oktober in Deutschland auf 4,5 Prozent und damit den höchsten Stand seit 28 Jahren klettern lassen.

Schnabel äußerte sich wenige Stunden vor der Veröffentlichung der neuesten Daten zur Inflationsrate im November vom Statistischen Bundesamt. Die Bundesbank geht davon aus, dass die Rate im November fast sechs Prozent erreichen wird. Die Werte entfernten sich zuletzt immer mehr vom Ziel der EZB, mittelfristig im Währungsraum bei einer Inflation von zwei Prozent für stabile Preise zu sorgen. Zuvor hat die EZB bereits mehrfach deutlich gemacht, dass sie den Anstieg der Inflation als eine vorübergehende Erscheinung ansieht.

Sie könne sehr gut verstehen, dass sich viele Menschen derzeit Sorgen über die sehr hohen Inflationsraten  machen, sagte Schnabel. »Aber man muss eben verstehen, dass das zu tun hat mit dieser sehr außergewöhnlichen wirtschaftlichen Situation der Pandemie: Nach den Lockdowns ist die Wirtschaft erstaunlich schnell wieder angesprungen, die Nachfrage ist angestiegen, und die Unternehmen sind mit der Produktion nicht mehr hinterhergekommen.« Die Folge seien Lieferengpässe und Rohstoffknappheiten.

Schnabel verweist auf Sondereffekte

Hinzu kämen statistische Sondereffekte, »dass wir nämlich heute deshalb so hohe Inflationsraten haben, weil die Preise vor einem Jahr besonders niedrig waren«, erklärte Schnabel. Betrachte man den Vergleich zum Zeitpunkt vor der Pandemie, betrage die Teuerungsrate in Deutschland durchschnittlich nur ungefähr zwei Prozent.

Schnabel betonte, die EZB sei dem Ziel der Preisstabilität verpflichtet: »Wenn wir sehen, dass sich die Inflation dauerhaft auf einem höheren Niveau als zwei Prozent festsetzen könnte, dann werden wir natürlich ganz entschlossen reagieren.«

Kritiker werfen der EZB vor, mit ihrer Geldpolitik die Inflation noch anzuheizen, weil die Notenbank über Anleihenkäufe Milliardensummen in die Märkte pumpt . Zudem hält die EZB die Zinsen seit Jahren auf einem Rekordtief. »Wir haben natürlich das Instrumentarium, um die Geldpolitik zu straffen«, sagte Schnabel. »Aber im Moment wäre es eben ein Fehler, die Zinsen frühzeitig zu erhöhen und damit den Aufschwung zu bremsen. Denn das würde im Wesentlichen zu einer erhöhten Arbeitslosigkeit führen und würde an der aktuell sehr, sehr hohen Inflation gar nichts mehr ändern können.«

hba/dpa/Reuters
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