Teuerung bis 9,3 Prozent Ifo-Institut rechnet für 2023 mit Rekordinflation und Rezession

Die Forscher erwarten einen »harten Winter«: Laut Prognose des Ifo-Instituts wird die Wirtschaftsleistung in den kommenden Monaten sinken – und die Preise werden in bislang ungekanntem Maß steigen.
Preisauszeichnung an einem Gemüsestand in Frankfurt am Main

Preisauszeichnung an einem Gemüsestand in Frankfurt am Main

Foto: Frank Rumpenhorst / dpa

Nun hat auch das Ifo-Institut seine Prognose für die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland drastisch gekappt. Die Münchner Wirtschaftsforscher erwarten für das kommende Jahr ein Schrumpfen der Wirtschaftsleistung um 0,3 Prozent – und einen Anstieg der Verbraucherpreise von durchschnittlich 9,3 Prozent. Auch für das laufende Jahr rechnen die Forscher nun nur noch mit einem Wachstum von 1,6 Prozent. Die Inflation dürfte im Gesamtjahr 2022 bei 8,1 Prozent liegen.

Im Vergleich zur vorangegangenen Prognose aus dem Juni senkte das Institut damit seine Wachstumsprognose für 2023 deutlich um 4,0 Prozentpunkte und erhöhte die Inflationsprognose kräftig um 6,0 Prozentpunkte. »Das sind ungewöhnlich hohe Änderungen in einem so kurzen Zeitraum«, sagt der Leiter der Ifo-Konjunkturprognosen, Timo Wollmershäuser.

Dabei sind insbesondere die kommenden Monate für diese Entwicklung ausschlaggebend. »Wir gehen in eine Winterrezession«, sagt Wollmershäuser. Die Energieversorger passten vor allem zu Jahresbeginn 2023 ihre Strom- und Gaspreise spürbar an die hohen Beschaffungskosten an. Das werde die Inflationsrate im ersten Vierteljahr sogar auf etwa elf Prozent hochtreiben.

»Die Kürzungen der Gaslieferungen aus Russland im Sommer und die dadurch ausgelösten drastischen Preissteigerungen verhageln die wirtschaftliche Erholung nach Corona. Erst 2024 erwarten wir eine Normalisierung mit 1,8 Prozent Wachstum und 2,5 Prozent Inflation«, sagt Wollmershäuser.

Damit dürften die realen Haushaltseinkommen kräftig zurückgehen und die Kaufkraft spürbar sinken. Das dritte Entlastungspaket der Regierung dürfte diesem Rückgang zwar etwas entgegenwirken, ihn aber bei Weitem nicht ausgleichen, urteilen die Ifo-Forscher. »Der Kaufkraftverlust, gemessen am Rückgang der realen Pro-Kopf-Löhne in diesem und im kommenden Jahr um jeweils etwa drei Prozent, ist so hoch wie nie zuvor seit dem Beginn der heutigen volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen im Jahre 1970«, so Wollmershäuser.

Im weiteren Verlauf des kommenden Jahres werde sich der Preisanstieg allmählich abschwächen, erwartet das Institut. Dabei nehmen die Forscher an, dass im Winter genügend Gas zur Verfügung steht. Deshalb sollten die Energiepreise nicht weiter steigen und spätestens ab dem Frühjahr 2023 wieder sinken.

Allerdings: Auf den Arbeitsmarkt erwartet das Institut keine schweren Auswirkungen. Der Beschäftigungsaufbau werde sich nur vorübergehend verlangsamen. Der prognostizierte Anstieg der Arbeitslosen um gut 50.000 Personen im kommenden Jahr gehe vor allem auf den sprunghaften Anstieg der arbeitslosen ukrainischen Geflüchteten im Sommer 2022 zurück, die nur allmählich in den Arbeitsmarkt integriert würden.

fdi
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