Währungskrise Inflation in der Türkei steigt auf rund 83 Prozent

Die Lebensmittelpreise haben sich im September im Vergleich zum Vorjahr sogar fast verdoppelt: Die Preissteigerung unter dem türkischen Präsidenten Erdoğan wird immer extremer.
Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan

Foto: Adem Altan / AFP

Die hohe Inflation in der Türkei zieht weiter an. Im September lagen die Verbraucherpreise 83,5 Prozent höher als ein Jahr zuvor. Das teilt das nationale Statistikamt in Ankara mit.

Analysten hatten sogar mit einer noch etwas höheren Inflationsrate gerechnet. Bereits im Vormonat hatte die Teuerung rund 80 Prozent betragen. Auf Monatssicht stiegen die Verbraucherpreise im September um gut drei Prozent. Besonders heftig ist die Entwicklung der Lebensmittelpreise, die gerade finanzschwache Haushalte hart trifft. Sie sind um gut 93 Prozent gestiegen.

Wie stark der Preisdruck auf die vorgelagerten Wirtschaftsstufen ist, zeigen die Produzentenpreise. Sie stiegen im September um rund 151 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Die Erzeugerpreise liegen also mehr als doppelt so hoch wie vor einem Jahr. Die Herstellerpreise beeinflussen die Lebenshaltungskosten der Verbraucher mittelbar und mit Zeitverzug.

Die hohe Inflation wird durch mehrere Faktoren getrieben. Seit Längerem sorgt die schwache Landeswährung Lira für Preisauftrieb, da sie in die Türkei importierte Güter verteuert. Hinzu kommen anhaltende Probleme in den internationalen Lieferketten, die Vorprodukte teurer machen. Daneben steigen die Preise von Energie und Rohstoffen, vor allem wegen des russischen Kriegs gegen die Ukraine.

Zentralbank steuert nicht gegen

Im Gegensatz zu vielen anderen Zentralbanken stemmt sich die türkische Notenbank nicht mit Zinsanhebungen gegen die ausufernde Teuerung. Vielmehr hat sie ihren Leitzins zuletzt mehrfach verringert. Fachleute erkennen in diesem Verhalten politischen Druck auf die Notenbank. Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan ist erklärter Gegner hoher Zinsen und hat unlängst weitere Zinssenkungen gefordert.

Bereits Ende der Woche hatte die Ratingagentur S&P angesichts der hohen Inflation und der Währungskrise die Bewertung der Kreditwürdigkeit des Landes gesenkt. Das langfristige Fremdwährungsrating lautet nun nicht mehr »B+«, sondern »B«. Damit rutscht die Türkei immer tiefer in den Ramschbereich, in dem Anlagen als hochspekulativ gelten. Der Ausblick sei stabil, teilte die US-Agentur am Freitag mit.

mamk/dpa-AFX/Reuters
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