Infomatec-Prozess Staatsanwaltschaft soll die Karten auf den Tisch legen

Der Prozess gegen die früheren Infomatec-Manager Gerhard Harlos und Alexander Häfele ist am Dienstag geplatzt. Die Verteidiger hatten ein faires Verfahren angezweifelt.


Verteidiger bemängeln Informationsvorsprung der Staatsanwälte: Ex-Informatec-Chefs Harlos und Häfele
DPA

Verteidiger bemängeln Informationsvorsprung der Staatsanwälte: Ex-Informatec-Chefs Harlos und Häfele

Augsburg - In den Ermittlungsakten fehlten ergänzende Unterlagen, in denen entlastende Aussagen für die Angeklagten enthalten seien, bemängelten die Anwälte von Häfele und Harlos. Ohne diese Akten und eine ausreichende Zeit, sich einzuarbeiten, seien eine effektive Verteidigung der Angeklagten und ein faires Verfahren nicht möglich.

Außerdem besitze die Staatsanwaltschaft einen nicht zu akzeptierenden Informationsvorsprung. Es sei auch nicht auszuschließen, dass weitere, für die Angeklagten entlastende Unterlagen bislang nicht zugänglich gemacht worden seien.

Das Augsburger Landgericht setzte daraufhin das Hauptverfahren aus. Eine neue Hauptverhandlung sei für den 24. Juni angesetzt, teilte der Sprecher des Landgerichts, Maximilian Hofmeister mit. Darin sei weder ein Sieg der Verteidigung noch eine Niederlage des Gerichts zu erkennen. Das Verfahren verzögere sich aus rein formalen Gründen.

Das Landgericht erklärte zu seiner Entscheidung, entgegen der Einschätzung der Kammer bei der Prozessvorbereitung habe sich in einem anderen Verfahren eine Vernehmung gefunden, die Gegenstand der Akten des Infomatec-Verfahrens sein müsste.

Zuvor hatten am dritten Verhandlungstag beide Angeklagte weiter geschwiegen und sich nicht zur Sache geäußert. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen unter anderem Kapitalanlage- und Kursbetrug sowie verbotenen Insiderhandel vor. Sie sollen für einen Schaden von rund 250 Millionen Euro verantwortlich sein. Dies hatten die Angeklagten über ihre Verteidiger zurückweisen lassen.



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