Insider-Affäre Kopper weist Vorwürfe zurück

DaimlerChrysler-Aufsichtsratschef Hilmar Kopper hat die gegen ihn erhobenen Vorwürfe bestritten, er habe im Zusammenhang mit dem Rücktritt von Konzern-Chef Schrempp gegen Insider-Regeln verstoßen. Kleinaktionäre des Autobauers forderten indes schon den Rücktritt des Aufsichtsratschefs.


Frankfurt am Main - Er habe sich keinen Gesetzesverstoß vorzuwerfen, sagte Kopper der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Er kenne die Vorwürfe gegen ihn nur aus den Medien, die Staatsanwaltschaft habe keinen Kontakt zu ihm aufgenommen, so der 70-Jährige. Die Deutsche Bank sei beim Verkauf der 35 Millionen Aktien am Tag der Rücktrittsankündigung von DaimlerChrysler-Chef Jürgen Schrempp nicht auf Vorabinformationen angewiesen gewesen.

Aufsichtsratschef Kopper: Will die Vorwürfe nur aus den Medien kennen
DPA

Aufsichtsratschef Kopper: Will die Vorwürfe nur aus den Medien kennen

Die Kleinaktionäre von DaimlerChrysler haben unterdessen Koppers Rücktritt gefordert. Träfen die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft zu, könne man "mit Fug und Recht von einer Zwei-Klassen-Aktionärs-Gesellschaft sprechen, die den Großaktionären Vorteile zu Lasten der Kleinaktionäre verschafft", sagte der Rechtsexperte der Kritischen AktionärInnen, Holger Rothbauer. "Wenn Kopper die Informationen vorher weitergegeben hat, wäre er nicht mehr haltbar", sagte auch der Sprecher der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Jürgen Kurz.

Wenige Stunden nach der Ankündigung des damaligen DaimlerChrysler-Chefs Jürgen Schrempp im Juli, zum Januar zurückzutreten, hatte die Deutsche Bank als damals größter Einzelaktionär den Kurssprung von bis zu zehn Prozent ausgenutzt und DaimlerChrysler-Aktien im Wert von 1,4 Milliarden Euro verkauft. Die Finanzaufsicht BaFin vermutete wegen der starken Kursbewegungen, dass Insider ihr Wissen an der Börse zu Geld gemacht haben könnten.

Die seit Monaten laufende Untersuchung richte sich jedoch nicht gezielt gegen bestimmte Personen, sagte eine Sprecherin der Behörde heute. Gegen Kopper ermittelt nun die Staatsanwaltschaft Stuttgart. Sie wirft dem ehemaligen Vorstands- und Aufsichtsratchef der Deutschen Bank nach Zeitungsberichten vor, er habe Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann noch vor Schrempps offiziellem Statement von dem Rücktritt erzählt. Nach deutschem Recht kann schon die Weitergabe vertraulicher Daten, die andere für Kursgewinne ausnutzen könnten, mit einer Geldstrafe oder bis zu fünf Jahren Haft geahndet werden. Die Stuttgarter Ermittler wollen das Verfahren nun an die Frankfurter Staatsanwaltschaft übergeben.

Das Verfahren richte sich jedoch nicht gegen Verantwortliche der Deutschen Bank, betonte die Justizbehörde. Nach Angaben der "Stuttgarter Zeitung" ist auch nicht der Verkauf der 35 Millionen DaimlerChrysler-Aktien der Deutschen Bank am Tag von Schrempps Rücktrittsankündigung Gegenstand der Ermittlungen. Es gehe vielmehr um "eine weitere, ungleich kleinere Wertpapiertransaktion im Umfeld der Deutschen Bank", berichtet die "Stuttgarter Zeitung". Bei diesem komplizierten Optionsgeschäft sei womöglich durch Nutzung von Insiderwissen ein einstelliger Millionengewinn angefallen. Weder die Deutsche Bank noch DaimlerChrysler wollten sich zu dem laufenden Verfahren äußern.



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