Insolvenzängste GM-Aktie stürzt auf 76-Jahres-Tief

Die Aktion war zu viel für die General-Motors-Aktie: Mehrere Top-Manager haben ihre Anteile am insolvenzgefährdeten US-Autoriesen verkauft - und an der Börse Panik ausgelöst: GM-Papiere stürzten zeitweise auf den tiefsten Stand seit 76 Jahren.


Detroit - Führungskräfte des angeschlagenen US-Autobauers General Motors haben ihre Firmenpapiere verkauft und die GM-Aktien dadurch auf den tiefsten Stand seit 76 Jahren gedrückt. Die Papiere des ums Überleben kämpfenden Herstellers brachen am Dienstag an der Wall Street um über 20 Prozent ein und waren zeitweise nur noch 1,09 Dollar wert - so wenig wie zuletzt 1933.

GM-Zentrale in Detroit: Manager verkaufen Aktien
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GM-Zentrale in Detroit: Manager verkaufen Aktien

Zuvor war bekanntgeworden, dass sechs GM-Manager am Freitag und Montag Aktien im Wert von rund 315.000 Dollar abgestoßen haben. Zu ihnen gehörten unter anderem der frühere GM-Vize Bob Lutz sowie der Chef von GM Europe, Carl-Peter Forster. In den letzten Monaten durften GM-Führungskräfte wegen der laufenden Sanierung und der Gefahr von Insider-Geschäften keine Aktien verkaufen. Nach der Vorlage der Quartalszahlen habe die US-Börsenaufsicht den Führungskräften jedoch mitgeteilt, dass sie ab Freitag für eine begrenzte Zeit ihre GM-Aktien abstoßen dürften, erklärte eine Sprecherin der Opel-Mutter.

Die US-Regierung hat GM eine Frist bis zum 1. Juni gesetzt, um einen Sanierungsplan vorzulegen. Andernfalls müsste der Konzern wie Rivale Chrysler Insolvenz anmelden. Am Montag hatte GM-Chef Fritz Henderson gesagt, es sei zunehmend wahrscheinlicher, dass GM diesen Weg tatsächlich gehen müsse. Im Insolvenzfall könnten GM-Papiere absolut wertlos werden. Ohne Gläubigerschutz droht der Aktienwert ebenfalls unter zwei Cent zu fallen, wenn Gläubiger und das US-Finanzministerium im Gegenzug für Schulden einen Großteil der Firmenanteile erhalten.

GM-Chef warnt vor Insolvenz

Der GM-Chef sagte im Detail, die noch zu lösenden Aufgaben in dem Autokonzern seien so gewaltig, dass man ein Konkursverfahren in Betracht ziehen müsse. Es gebe aber immer noch die Hoffnung zu vermeiden.

General Motors hat inzwischen nur noch zwei Wochen Zeit, um ein Sanierungskonzept vorzulegen. Das Unternehmen hat in den USA bislang 15,4 Milliarden Dollar an staatlichen Notkrediten erhalten.

Man betrachte die finanzielle Situation Land für Land, sagte Henderson weiter. Ein Konkursverfahren in den USA müsse nicht notwendigerweise die gleiche Konsequenz an allen internationalen Standorten haben. Henderson lehnte eine Stellungnahme zu Berichten ab, wonach Fiat an einer 80-prozentigen Beteiligung an den Unternehmungen in Europa interessiert sein soll. Er sagte lediglich, jede Neukonstruktion müsse den Interessen beider Partner Genüge tun.

GM kämpft wie die US-Wettbewerber Ford und Chrysler mit sinkenden Absätzen und zu hohen Kosten. Chrysler hat bereits Zahlungsunfähigkeit angemeldet.

Ford, der dritte der ehemals als "Big Three" gefeierten Konzerne, kommt zwar bislang ohne staatliche Hilfe aus. Dennoch reagiert auch dieser Hersteller jetzt auf seine schwierige Finanzsituation. Der US-Autobauer will 300 Millionen Stammaktien verkaufen und mit dem Erlös offene Forderungen der Gewerkschaften für einen Gesundheitsfonds begleichen. Der Konzern rechnet nach Angaben vom Montag außerdem damit, von den federführenden Banken Citigroup, Goldman Sachs, JPMorgan und Morgan Stanley eine Option von 30 Tagen zu erhalten, um bis zu 45 Millionen Stammaktien zu kaufen. Ford will so Kapital für einen von den Gewerkschaften kontrollierten Gesundheitsfonds auftreiben. Die Hälfte der eingesammelten Gelder will der zweitgrößte US-Autokonzern in Aktien auszahlen, um sein Barvermögen zu schonen. Das Vorhaben bedarf in dieser Woche aber noch der Zustimmung der Anteilseigner.

ssu/dpa



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Seite 1
IsArenas, 27.04.2009
1.
Fiat! Soviel Lokalpatriotismus muss sein. Lust wär's und gut iss. Ahnung habe ich nicht, aber die Wahrscheinlichkeit daneben zu liegen, ist aus meiner Sicht bei der Alternative genauso groß, eben deshalb, weil eh NIEMAND den Durchblick hat.
m-pesch, 27.04.2009
2.
Zitat von sysopFür Opel gibt es mehrere Interessenten. Wer wäre Ihrer Meinung nach der beste Investor?
Egal wer Opel übernimmt. Er muß erst mal garantieren das die nächsten Jahrzehnte in diesem hochprofitablen Weltunternehmen kein einziger Arbeitsplatz abgebaut wird. Und außerdem muß er anerkennen das in dem dann größeren Konzern nur einer das sagen hat, nämlich der Opel Betriebsrat. Ist ja wohl das Mindeste was amn einem Unternehmen das ja bekanntlich das Auto erfunden hat zugesehen muß. :-))
Hartmut Dresia, 27.04.2009
3.
Zitat von sysopFür Opel gibt es mehrere Interessenten. Wer wäre Ihrer Meinung nach der beste Investor?
So oder so, 5 Milliarden Euro könnte den Staat die Rettung kosten (http://www.plantor.de/2009/opel-5-milliarden-euro-koennte-den-staat-die-rettung-kosten/). Schon jetzt kämpft die Autoindustrie mit großen Überkapazitäten. Sergio Marchionne, Fiat-Chef und UBS-Vizepräsident, glaubt, dass letztlich nur sechs oder fünf globale Autokonzerne überleben werden. Von den 94 Millionen Autos Jahreskapazität seien 30 Millionen überflüssig. Er erwarte eine Welle von Konsolidierungen.
rkinfo 27.04.2009
4.
Zitat von m-peschEgal wer Opel übernimmt. Er muß erst mal garantieren das die nächsten Jahrzehnte in diesem hochprofitablen Weltunternehmen kein einziger Arbeitsplatz abgebaut wird. Und außerdem muß er anerkennen das in dem dann größeren Konzern nur einer das sagen hat, nämlich der Opel Betriebsrat. Ist ja wohl das Mindeste was amn einem Unternehmen das ja bekanntlich das Auto erfunden hat zugesehen muß. :-))
http://www.manager-magazin.de/unternehmen/artikel/0,2828,621228,00.html 27. April 15.40 Uhr: Das *General-Motors-Management *bittet die Regierung in Washington um eine weitgehende *Verstaatlichung*. Wie GM mitteilte, soll der amerikanische *Staat die Hälfte* der *Konzernaktien* erhalten und dafür dem Unternehmen im Gegenzug die Hälfte seiner Schulden bei der öffentlichen Hand von 15,4 Milliarden US-Dollar erlassen. Wenn sich die Politik bei uns nicht beeilt wird bald B- Obama Chef bei Opel sein ... "Yes we can" Cars - Made in Rüsselsheim.
vanill68 27.04.2009
5. kkollektives halluzinieren
allenthalben liest man in deutschen medien, daß fiat opel technologie abschöpfen könnte. meine frage dazu ? was kosten eigentlich bekiffte journalisten. gilt es in d. noch, etwas zu recherchieren, bevor man es schreibt. oder genügt dazu das ja vom opel-betriebsrat ? opel hat ***keine*** nennenswerte technik ! beim insignia ist allenfalls die integration zugekaufter komponenten geglückt. fiat entwickelt und baut diesel-motoren, die state-of-the-art sind. und opel kauft sie. wo opel motoren drin sind, folgen verkaufseinbrüche (alfa 159, die benziner) commonrail ist eine fiat entwicklung, entwickelt bei elasis/neapel, erstmals käuflich im alfa 156. fiat hat neueste technologien im benziner bereich in der pipeline ... die qualität deutscher medien ist zum schreien, oder wird bezahlt ? - bisher kannte man das ja nur von der autobild.
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