Insolvenzantrag BaFin schließt Bremer Privatbank

Die Bremerhavener Weserbank muss ihre Pforten schließen: Nach einer Anordnung der Finanzaufsicht BaFin darf das überschuldete Institut seine Kunden nicht mehr bedienen und muss den Zahlungsverkehr einstellen.


Bonn - Lediglich Zahlungen, die zur Tilgung von Schulden bestimmt sind, darf die kleine Privatbank noch entgegennehmen. Dieses Moratorium sei notwendig, um die verbliebenen Vermögenswerte zu sichern. Beim Amtsgericht Bremerhaven habe die BaFin zudem Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt, teilte die Behörde mit. Die Einlagen der Kunden der Weserbank seien geschützt: Die Weserbank gehöre der Entschädigungseinrichtung deutscher Banken und dem Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes Deutscher Banken an.

Die Weserbank sei nicht mehr in der Lage gewesen, dauerhaft die Erträge zu erwirtschaften, die zur Deckung der operativen Kosten notwendig gewesen wären, begründete die BaFin den Schritt. Die Bank hat ihren Sitz in Bremerhaven und eine Niederlassung in Frankfurt am Main. Ihre Bilanzsumme betrug zum Ende des Jahres 2007 rund 120,4 Millionen Euro. Die Verbindlichkeiten gegenüber ihren Kunden belaufen sich laut BaFin auf knapp 25,9 Millionen Euro.

Der Chef der Weserbank führt die Insolvenz auf die Folgen der Finanzkrise zurück. "In einem normalen Marktumfeld hätte die Bank niemals geschlossen werden müssen", sagte Gerold Lehmann. So hätten Anleihen im Anlagebestand dramatisch an Wert verloren, was die Refinanzierung erheblich erschwert habe. Zudem habe die Krise die Zahl der Börsengänge deutlich reduziert. "Das hat uns ebenfalls schwer getroffen", sagte Lehmann.

Aus Sicht der BaFin ist das Institut dagegen kein Opfer der Krise: "Der Zusammenbruch wäre unter den dort herrschenden Managementbedingungen auf jeden Fall erfolgt", sagte eine BaFin-Sprecherin.

Die Einlagen der Kunden seien im Rahmen des Einlagensicherungs- und Anlegerentschädigungsgesetzes bis zu einer Obergrenze von 20.000 Euro pro Kunde geschützt, erklärte die Behörde. Zudem sei das Institut Mitglied des Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes Deutscher Banken. Dieser Fonds übernehme die Schäden bis zur Sicherungsgrenze von 30 Prozent des haftenden Eigenkapitals der Bank, in diesem Fall läge diese bei 1,832 Millionen Euro pro Einleger.

mik/Reuters/AFP/Dow Jones/dpa-AFX



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